von Postmarken waren sie zusammengeheftet und trugen die Unterschriften: »Der Schlafende« –»Der Erwachte«. In kühnen kräftigen Strichen grundiert, dann mit Wasserfarben leicht getönt, zeigten sie eine ganz eigentümliche und persönliche Technik. Eine Bank auf einer Anhöhe unter einem Baum, der ungefähr eine Eiche vorstellen mochte. Hier saß ein nackter Mann, einen alten ungefügen Kavalleriesäbel über den Knien, den Kopf tief auf die Brust gesenkt, in Schlaf versunken. Vor sich eine helle Landschaft, mit Obstbäumen, grünen und gelben Feldern, einem zierlich ausgetuschten Dörfchen im Hintergrunde. Zur rechten Seite ganz vorn, wie alte Meister zuweilen kleine Gruppen von Gestalten primitiv einfach nebeneinander stellen, ein paar Kinder, die mit langen Schilfkolben, sogenannten Bumskeulen, Soldaten spielten. Das zweite Blatt zeigte dieselbe Landschaft verfinstert

und wildverstört, das Dörfchen in gelb und roten Flammen, die Obstbäume ausgerissen und durcheinander geschleudert, quer durch das Bild raste im Hintergrunde ein Eisenbahnzug. Die Eiche war vom Sturm durchwühlt, der Mann hatte sich erhoben und schritt in scharfer Silhouette mit mächtigem Schritt die Anhöhe hinab, den Säbel gewaltig schwingend. In der Ecke die Kinder streckten hilfeflehend die Arme nach ihm aus.

»– – Wo hat der Kerl nur die Studien zu dem Akt gemacht?« fragte Rolfers lebhaft ... »Das ist ja famos! die Gelöstheit der Glieder im Schlaf – die Macht des Schreitens – das ist einfach verblüffend – die Majestät der aufgereckten Haltung – das soll erst mal einer von uns Älteren rauskriegen, was dem Bengel da geglückt ist ... Ha – hier kommen die Studien – wahrhaftig, leicht macht er sich nichts! Also – die Badeanstalt!«

»Ja – von dort kam er immer zu spät heim – da hat er Stunden und Stunden verhockt – und wie viel Schelte hat er gekriegt, bis ich die Sachen entdeckte.«

Rolfers vertiefte sich mit zusammengefaßter Aufmerksamkeit in die Skizzen.

»Durch die Profilstellung hat er sich geholfen. – Na ja – Anatomie fehlt noch – aber die Auffassung der menschlichen Gestalt ... merkwürdig – höchst merkwürdig.«

Plötzlich lehnte er sich zurück und lachte herzlich.

»Der Bengel will Rechtsanwalt werden – richtig so ’ne ausgeklügelte Chose –! Na, wenn von Deutschland nur zwei Steine aufeinander bleiben, sitzt der noch drauf und zeichnet die Verwüstung ab! – – – –

Du – schade eigentlich, daß du ihm gesagt hast ... wüßte er nicht, daß ich sein Vater bin, – den Kerl hätte ich gern zum Schüler

gehabt – aus dem ließe sich was machen ... Teufel ja – das könnte mich reizen ...«