Marthas Blick glitt über ihn hin – er fühlte ihn, sah auf, traf den Ausdruck eines erschütterten Mitleids in ihren Zügen.

»– Ja – du hast ja recht ... ich hatte vergessen ...«

Heftig stieß er den Stuhl zurück, sprang auf, schritt mit starken Schritten im Zimmer hin und her und setzte sich plötzlich taumelnd auf den Bettrand, weiß, hohläugig – mit gezerrten Zügen, wie ein Sterbender anzuschauen.

Martha lief, ihm von dem Wein einzuschenken, der in der Nähe stand. Er trank das Glas leer und belebte sich allmählich wieder. Die Frau stand neben ihm und strich ihm zaghaft tröstend über das Haar. Er lehnte den Kopf an ihren Arm, schloß die Augen und murmelte: »Wie gut du bist. Aber geh jetzt

– ruf mir die Schwester – ich muß mich hinlegen –man ist ja zu nichts mehr nütze.«

»Du wirst dich schon erholen. Du bist doch auf dem besten Wege ...«

»Ach, Marthchen – erholen ... wozu ...?«

Er starrte in Gedanken vor sich nieder, während sie die Blätter wieder in die Mappe legte, die Bänder zuknüpfte, ihren Hut aufsetzte, sich still und gehorsam zum Fortgehen anschickte.

»Sag’ dem Jungen vorläufig nichts davon, daß ich die Zeichnungen gesehen habe,« sagte Rolfers, »wenn sich’s tun läßt.«

»Gewiß nicht – obschon es ihn natürlich doch beglücken würde – aber es war ja eigentlich ein Vertrauensbruch, daß ich sie ohne sein Wissen mitbrachte.«