Martha hatte bereits durch die Oberschwester erfahren, daß Rolfers in den nächsten Tagen entlassen würde. Die Trennung stand vor der Tür, schneller, als sie es erwartet hatte.
»Was wirst du nun beginnen? Bleibst du in Berlin?« so fragte sie beklommen, weil sie sich nicht stärker über seine Genesung zu freuen vermochte.
»In Berlin? Auf keinen Fall!« antwortete Rolfers heftig. »Sich hier als Krüppel anstaunen zu lassen – nein, das wäre das letzte, was ich ertragen könnte. Ich habe in Holstein so ein kleines Häuschen – dorthin will ich mich verkriechen. Es gehörte früher meinem Freunde Pötsch. Du hast ihn doch auch gekannt – den Pötsch, der die Moorbilder malte – immer mit derselben Birkengruppe. Sie steht nicht weit von dem Anwesen. Und einmal habe ich zu ihm gesagt: Kerl, ehe du nicht von der Birkengruppe fortkommst, eher kommst du auch nicht weiter mit deiner Malerei. Na – und daraufhin habe ich ihm die Geschichte abgekauft. Ich wollte einen Ort haben, um meinen Kram, Bücher, Bilder und Skizzen
sicher unterzubringen. Ein altes Ehepaar hält mir die Sache in Ordnung, der Mann besorgt den Garten, die Frau kocht, wenn ich dort bin. Es war selten genug bei meinem Wanderleben. Ja – nun wollte ich dich bitten, den Brief an Lütjes zu schreiben, sie sollen die Zimmer in Ordnung bringen und einheizen und Vorräte anschaffen, damit wir’s gemütlich finden, wenn wir hinkommen.«
Martha blickte hastig auf.
»Ich wollte dir den Vorschlag machen, mich für eine Weile zu begleiten.«
»Aber der Junge?«
»Der kommt natürlich mit!«
»Er muß doch in die Schule!«
»In der nächsten Stadt ist ein Gymnasium. Lütje fährt ihn hin, bis er die alte Liese selber regieren kann. Der Sohn vom Doktor muß in seinem Alter sein. Die Jungens können sich