über die Akademien als die Brutstätten aller Mittelmäßigkeiten – eine Überzeugung, die ihm von seiner kurzen Lehrtätigkeit an einer dieser Anstalten geblieben war.

»Wenn der Junge sich so weiter entwickelt, wie er jetzt einen Anlauf nimmt, getraue ich mir auch noch mit einem Arm einen Meister aus ihm zu machen, der seinen Vater tüchtig überflügeln kann und ein wirklicher Gewinn für die deutsche Kunst werden soll. Aber du darfst mir nicht dazwischen pfuschen, Martha – das erwarte ich von dir. Merk dir’s, Kind.«

Nannte Rolfers sie »Kind«, wurde der Frau ganz wund und weh ums Herz, tausend Erinnerungen, süße und traurige, fielen über sie her und machten sie schwach, so daß sie nur den Kopf schütteln und die Lider senken konnte, damit er die Tränen, die darunter brannten, nicht bemerkte.


Der Frühling kam spät und spärlich. Es war, als scheue er sich, seine friedevolle Blumenschöne hineinzuwerfen in all das Morden, Würgen und Bluten. Kalt wehten die Winde, Schnee und Regenschauer wechselten, die Hohlwege um Rolfers’ Haus zwischen dem dürren Heckengeäst waren eine unergründliche Schlammasse, oder ein jäher Frost ließ sie glashart erstarren. Trotzdem hatte Rolfers keine Ruh mehr im Haus und versuchte in Richards Begleitung weitere und weitere Wanderungen.

Vater und Sohn hatten sich durch stachlichtes Tannendickicht gearbeitet, das von Feuchtigkeit triefte, giftgrün quollen die Moosflecke auf den Stämmen. Der Moderdunst dampfte aus braunem Farngekräut, aus den faulenden Blättern der Weißbuchen. Efeu und Waldrebe bildeten ein zähes nasses Gespinst, das Luft und Licht von der Tiefe abhielt.

Überall glitschte der Fuß auf Schlüpfrigem aus.

Vor einem nicht hohen, aber steil niederstürzenden Abhang blieb der Mann keuchend stehen und lehnte sich fest gegen einen rissigen Stamm, den Schwindel zu überwinden, der ihn gepackt hielt. Wieder hatte er seine Kraft überschätzt. Es war lächerlich – erbärmlich – aber er wußte, daß er da nicht hinunter kommen würde, mit diesem Gefühl von Unsicherheit, von mangelndem Gleichgewicht, gegen das er fortwährend anzukämpfen hatte.

»Sie sind müde,« sagte der Junge. »Legen Sie doch die Hand auf meine Schulter. Ich nehme Ihren Stock und gehe langsam, damit ich nicht ausrutsche.«

Rolfers nickte ihm zu und folgte schweigend seinem Anerbieten. Vorsichtig, zuweilen als Halt nach einem Zweige greifend, schritt der junge Führer den bösen Weg hinab. Unten