Rolfers ließ seine Augen schweifen: »Dafür lohnte sich’s schon,« sagte er. »Sieh, Richard, daß so was erhalten bleibt – still und friedlich bleibt – die Kinder spielen dürfen – das Hündchen kläffen, die alte Hexe in der Sonne sitzen kann – und die Felder so fröhlich blaugrün sich breiten – darum heißt es: fürs Vaterland sterben!«
Der Junge nickte stumm. Eine große Wolke fuhr herüber, nahm plötzlich allen Glanz und alle Lust aus der Landschaft fort, ließ nur den
Kampf des Grau mit dem Grau. Er mußte seine Mütze packen, damit sie ihm nicht vom Kopf gerissen wurde. Gegen den immer stärker werdenden Sturm kämpften sie sich am Waldrand hin, bis sie die Ecke erreichten und in einer weichhingedehnten schönen Mulde das Dorf vor ihnen lag. Rolfers überlegte einen Augenblick. »Wir können hier noch ein Stückchen weiter gehen und ich zeige dir unser Schloß, einen famosen alten Barockbau. Der Graf wird im Felde sein und die Gräfin in Hamburg. Ich denke, wir können es ungestört besichtigen.«
– – ‘Dort werde ich mir einen Stuhl geben lassen und eine Weile ausruhen’, dachte er dabei, denn es schien ihm unerträglich, den Jungen noch einmal seine Erschöpfung merken zu lassen.
»Hast du schon einmal ein Schloß gesehen?« fragte er unterwegs.
»Na ja, natürlich, ich meine so ein feines Landschloß. Die gehören auch zu Deutschland, genau so wie die verrumpelten Waldhütten. Sollst schon sehen, wird dir gefallen.«
Die Wiesen bekamen ein gepflegtes Ansehen, einzelne schöne Baumgruppen gaben der Gegend einen parkartigen Charakter. Auf umfriedeter Koppel jagten sich ein paar braune Fohlen, die Richard mit ihren ungeschickten Sprüngen begeisterten. Der Hütejunge zog die schmierige Kappe und klatschte mit seiner langen Peitsche. Eine Allee alter Linden nahm die Wanderer auf. Sie endete in einem weiten Platz, auf dem das graue Schlößchen mit seinen Gartenanlagen, seinen Statuen und der geschwungenen Rampe sich vornehm genug ausnahm. Gewaltige Buchen und Kastanien mochten ihm im Sommer einen grünen
Hintergrund bilden. Zur Seite zogen sich efeubesponnene Wirtschaftsgebäude um einen länglichen Hof.
Rolfers stieg mit dem Jungen die Rampe hinauf und zeigte ihm die Karyatiden, die das Wappen über dem Portale trugen, und die geflügelten Putten, die es umschwebten. Ein Diener sah aus einem Parterrefenster und grüßte.