Richard fand sich plötzlich in eine Welt versetzt, die ihm fremd aber zaubervoll anziehend erschien, und es imponierte ihm gewaltig, daß Rolfers in dieser Welt durchaus heimisch war und in dem teilnehmenden und vertrauten Ton eines alten Freundes mit den trauernden Frauen sprach.

»Sie müssen oft zu uns kommen, lieber Professor,« sagte die jüngere Gräfin, als er und Richard sich verabschiedeten und sie ihnen bis zur Tür das Geleit gab. »Sie tun meiner

Schwiegermutter und mir einen wirklichen Dienst, wenn Sie uns ein wenig zerstreuen. Die Abende sind fast nicht zu ertragen in diesem leeren Schlosse mit der Angst und Sorge auf dem Herzen. Die Mama ist bewunderungswürdig, aber dann bricht sie zuweilen doch zusammen.«

Rolfers versprach, seinen Besuch bald zu wiederholen, die Gräfin reichte auch Richard die Hand, der sie linkisch schüttelte. »Ihren jungen Schüler bringen Sie aber mit,« sagte sie, dem Knaben herzlich zulächelnd, »das heißt, wenn er sich nicht zu arg bei uns langweilt. Aber wir haben ja Bücher und Mappen mit Photographien, die ihn sicher interessieren werden.«

Richard wurde aufs neue sehr rot, während er die Aussicht, wiederkommen zu dürfen, als etwas Entzückendes empfand, erschrak er zugleich, und unbestimmte Verpflichtungen, zu

denen er dadurch gezwungen sein würde, beängstigten ihn.

Kaum hatten sie den gelben Break bestiegen, den die Gräfin bestellt hatte, und fuhren durch die dunkelnde Lindenallee ihrem Heim entgegen, begann der Professor auch schon: »Wenn die Gräfin dir die Hand reicht, hast du sie zu küssen – nicht mit einem heftigen Schmatz – sondern nur mit einem leisen Berühren der Lippen. Übrigens könntest du dir auch die Pfoten etwas sauberer halten. Das wollte ich dir schon längst einmal sagen.«

»Ich bin doch kein Fatzke, der sich die Nägel poliert,« brummte Richard, schon wieder zu innerem Widerspruch gereizt.

»Von Fatzkentum ist keine Rede, wenn man seinen Körper pflegt. Das gehört einfach zum kultivierten Menschen und auf diesem Gebiet hast du noch so ziemlich alles zu lernen.«

»Mutter war ich immer gut genug, so wie ich bin,« sagte Richard ungezogen.