»Mutter auch?« fragte der Junge plötzlich und in seine Augen kam das helle stählerne Licht, das Rolfers besonders an ihnen liebte.
»... Nein – – die Gräfinnen kennen Mutter doch nicht.«
Ein Schweigen war plötzlich im Zimmer, unter dem Rolfers unbehaglich hin und her ging. Richard polterte mit seinen Büchern und Martha entfernte sich – man hörte sie dann in der Küche.
Bei Tisch sagte Richard: »Ich möchte nicht mit in das Schloß. Was soll ich da ...?«
»Lege dir keinen Zwang auf, mein Sohn,« antwortete Rolfers kühl. »Ich glaube, die Gräfinnen können deine Gegenwart entbehren.«
Martha senkte den Kopf, eine Röte stieg ihr vom Hals herauf bis unter das helle krause Haar.
Rolfers sah sie an und schwieg zunächst. Er hatte diese peinliche Situation vorausgesehen und deshalb das Schloß bisher vermieden. Nun mußte es durchgefochten werden.
»Du hast Schwereres auf dich genommen, Martha,« sagte er zu der Frau, als sie allein waren, »warum dem Jungen die Freude verderben? Es war reizend, seine hellen Blicke zu sehen, mit denen er das Unbekannte begrüßte. Die alte Gräfin beobachtete ihn ein paarmal ganz gerührt. Er gefiel ihr, der Junge. Aber wie du willst, ich rede dir da nicht hinein. – Nur – was mich betrifft – ich kann mich dem Umgang mit den Nachbarn nicht ganz entziehen. Besonders jetzt, wo ich ihnen für viele Gastfreundschaft und manche erwiesene Gefälligkeit einmal nützlich sein kann.«
»Du glaubst gewiß, ich hätte dir den Jungen aufsässig gemacht,« sagte die Frau heftig. »Das ist ungerecht. Ich habe kein Wort gesagt. Mag er gehen. Er gehört ja doch bald ganz zu dir.«
»Welcher Ton?« fragte Rolfers überrascht. »Martha, ich fürchte, du irrst dich sehr. Ich bin kaum in die Vorkammern seines Vertrauens eingedrungen. Mißgönnst du mir das schon?«