Warum das gierige unermüdliche hartnäckige Arbeiten? Hatte er dazu nicht Zeit genug vor sich – viele Jahre Zeit ... Zu einer Beherrschung des Materials, die mit Meisterschaft – wie er sie verstand – irgend etwas zu tun hatte, würde er es ja doch nie bringen. Das fühlte er bitter und deutlich. Hätte er’s nicht gefühlt – grausame

unbarmherzige Jugend mußte ihn darauf stoßen, daß er den Schlag nie wieder verschmerzen würde.

Er hatte Richard an der großen Wiese am Schloß getroffen, wie er dabei war, die zwei Fohlen zu malen, und mit dem ihm neu geschenkten Kasten voll Ölfarben munter auf einer ziemlich großen Leinwand herumwirtschaftete. Der Hüterjunge hielt ihm gerade das eine der braunen fröhlichen jungen Tiere, aber es schlug, jeder Fessel noch ungewohnt, nach vorn und hinten aus, und obschon Richard mit seinem Pinsel darauf los arbeitete, daß ihm der Schweiß von der Stirne lief, war die Bewegungslinie, die er packen wollte, doch nicht herausgekommen. Rolfers interessierte sich für seine verzweifelten Versuche – das war wieder einmal so kühn angelegt, so persönlich gesehen, daß man seine helle Freude daran haben konnte. Er schaute dem Jungen

eine Weile zu, bis der sich verzweifelt in den blonden Schopf fuhr und schrie: »Es ist zum Rasendwerden – ich krieg’s nicht und krieg’s nicht – das Biest hält auch keine Sekunde still ...«

»Das Hinterbein ist von vornherein falsch eingesetzt,« sagte Rolfers, beugte sich über Richard, nahm ihm den Pinsel aus der Hand. »Siehst Du – so muß es einsetzen.« Aber die Hand gehorchte doch nicht, wie er gehofft, der Pinsel fuhr wild in das Bild hinein und es kamen Striche heraus, die Rolfers niemals beabsichtigt hatte.

»Zum Teufel,« schrie Richard wütend, »was machen Sie denn da – Sie verpatzen mir ja die ganze Geschichte! Sie können doch nicht mehr malen ...«

Rolfers hatte den Pinsel ins Gras geworfen und Richard schmiß voll Zorn die Leinwand daneben.

»So, die Arbeit war mal umsonst. Drei Nachmittage hab ich mich schon gequält. Und ich hätt’s auch noch gepackt – wenn Sie nicht dazugekommen wären.«

Rolfers war weiß geworden und seine Züge erstarrten. Er regte sich nicht und sprach auch nichts. Langsam schlossen sich seine Augen, als vermöchte er das Licht nicht mehr zu ertragen. Er wußte, diese Sekunde war die bitterste in seinem Leben, dagegen war alles bisher Durchlittene nur eine Vorbereitung gewesen. Er dachte: wenn ich mich jetzt bewege und mein Schritt schwankt, so beginnt er zu lachen – und das kann ich nicht ertragen – dann muß ich ihn erwürgen ...

Er hörte, wie Richard, scheinbar ohne auf ihn zu achten, brummend und knurrend seine Malsachen zusammenpackte, und fühlte, er müsse ihm den Vorrang ablaufen und fortgehen, denn zusammen konnten sie den Heimweg