Schließlich ließ er sich doch überzeugen. Praktische Erwägungen gaben den Ausschlag. Mit weiterem Verdienst war für die Zukunft nicht zu rechnen, da mußte man sehen, das Vorhandene möglichst günstig zu verwerten. Jetzt war sein Name noch im Gedächtnis der Kunstfreunde, der Museumsleiter. In zwei, drei Jahren war er vergessen und der Marktpreis seiner Bilder bedeutend gesunken. So

sagte er sich, mit harter Aufrichtigkeit. Und dachte an Richard. Ihm mußte das Nötige zum Studium bereitstehen.

Selbst nach Berlin zu fahren, das Hängen der Bilder zu beaufsichtigen, dazu konnte er sich nicht entschließen. Ihm graute vor der Welt, vor dem Publikum. Tausendmal schon war er froh gewesen, die abgelegene Heimstätte zwischen Wiese und Moor zu besitzen – hier ein Obdach für die Zeit zu haben, die er noch auf Erden zu verträumen, zu durchleiden gezwungen war. Sich verkriechen zu können, ein weidwundes Tier, vor dem Mitleid, der Sentimentalität der Menschen, war schon Glück.

Er dachte daran, Martha zu senden, ließ jedoch diesen Plan gleich wieder fallen. Sie brauchte nicht durch den Künstlerklatsch der Hauptstadt gezogen zu werden.

Richard ...? Sehr jung war er zu solcher

Mission. In Kunstdingen trotzdem von einer Reife des Verständnisses, die mit seinem Alter nicht mehr in Zusammenhang stand. Eins der ewigen Rätsel in der Welt der Naturgeschehnisse: dieses Hinauswachsen der Berufenen über die Gesetze von Zeit und regelrechter Entwicklung ...

»Richard – packe dir einen Handkoffer. Du mußt übermorgen zur Eröffnung meiner Ausstellung in Berlin sein. Ich gebe dir einen Brief mit, der dich als meinen Vertreter einführt. Was meinst du – freut’s dich? Du mußt ordentlich die Augen aufmachen, um mir Bericht zu geben! Weh dir, Mann, wenn du was Wichtiges vergißt!«

Richard stand mit offenem Munde – ganz dumm vor Staunen. Vom Hals empor strömte ihm heiße Röte über Wangen und Stirn – und die Augen wurden mit jeder Sekunde glänzender.

»Sie – Sie wollen mich doch nur uzen – es ist doch nicht wahr, Professor?«

Rolfers lächelte. So etwas, wie das Gesicht des Jungen jetzt zu sehen, das war doch entzückend ...