»Sehen Sie – Sie lachen – es ist doch nicht wahr.«
Dies kam mit einem unendlich enttäuschten Ton.
»Frage deine Mutter!«
»Na, ja, Richard, der Professor will dir das Vertrauen schenken. Übermorgen mit dem Frühzug sollst du fahren. Ich habe deinen guten Anzug gebügelt.«
Richard stieß einen Schrei aus, der schon ein Indianergeheul der Freude genannt werden durfte, und machte Luftsprünge wie sein geliebtes Fohlen auf der Weide.
Er raste treppauf, treppab und erfüllte das ganze Haus mit dem Gesause und Gebraus
seiner stürmischen Jugendseligkeit. Rolfers wie Martha bekamen keinen Augenblick der Ruhe mehr zu spüren, bis der kleine Handkoffer auf dem Korbwägelchen stand, bis Richard sich in der schaurigkühlen Luft des grauenden Morgens seiner Mutter abschiednehmend um den Hals warf und Rolfers, der ebenfalls aufgestanden war, um ihm feierlich den Brief an den Kunsthändler, seinen alten Freund, zu übergeben, die Hand schüttelte. Rolfers hatte in dem Schreiben kein Hehl daraus gemacht, daß der junge Bote sein Sohn sei und hoffentlich einmal sein künstlerischer Erbe.
Sinnend blickte er dem davonrollenden Wägelchen nach, von dem der Junge leidenschaftlich mit der Mütze zurückwinkte, als er um die Ecke bog. Martha fiel es auf, wie ruhig und heiter Rolfers dreinschaute, auf seiner Stirn lag ein leuchtender Friede.
Sie seufzte. Ihr war nicht friedvoll zu Sinn, und sie hatte alle diese Nächte ihr Kopfkissen mit vielen Tränen befeuchtet. Doch die zwei, die nur miteinander beschäftigt waren, hatten es nicht beachtet, wie sehr sie von Kummer und Gram beschwert neben ihnen einherging.
Mit zwei Aufträgen war Richard neben dem Hauptzweck seiner Reise bedacht worden. Der Professor hatte ihn am Abend noch mit hinauf ins Atelier genommen und ihm eine feine alte Goldkette gezeigt.