»Sieh, die möchte ich deiner Mutter schenken. Sie hat viel Mühe und Arbeit von der Sache gehabt. Und ich wünschte, daß du ihr einen schönen Kleiderstoff mitbrächtest. Eine weiche Wolle, die sanfte, fließende Falten gibt, die Farbe dachte ich mir in einem dunkeln Violett wie reife Pflaumen. Das muß gut stehen zu ihrem blonden Haar und zu der
Kette. Wir wollen unsre Mutter doch hübsch sehen. Sie gibt zu wenig auf ihr Äußeres.«
»Ja, das habe ich ihr oft gesagt,« rief Richard eifrig. »Aber sie wollte nie hören, und es ist ja auch wahr, wir hatten immer so wenig Geld, fügte er naiv hinzu.
»Darum müssen wir beide nun für sie sorgen,« sagte Rolfers und klopfte Richard auf die Schulter. »Sieh, daß du etwas Schönes findest – und vergiß auch die Farbentuben für dich nicht. Hier ist das Verzeichnis.«
Seine Mutter befahl ihm, in ihre Wohnung zu gehen und nachzusehen, ob dort alles noch gut verwahrt und in Ordnung sei. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Rolfers erst, daß die Wohnung noch nicht gekündigt war.
»Ja, warum hast du das Ostern nicht getan, Martha?« fragte er. »Deine Einrichtungen gehen mich ja nichts an – aber da
du sonst so sparsam wirtschaftest, nimmt es mich wunder ...«
Martha entgegnete ein wenig verdrossen, sie müsse einen Ort haben, ihre Möbel aufzubewahren, an denen sie doch hänge, und überhaupt wolle sie einen Fleck wissen, der ihr gehöre. Sie zeigte ein so ablehnendes Wesen in dieser Angelegenheit, daß Rolfers schnell das Gespräch auf ein andres Thema brachte. Aber in den Tagen, in denen Richard entfernt war, mußte er noch oft an den verschlossenen und feindseligen Ausdruck denken, der sich bei dem Gespräch über die Wohnung auf ihrem Gesicht gezeigt hatte.
Er ging viel und unruhig im Haus umher.
»Die Stille ist geradezu beklemmend, findest du nicht, Martha?« fragte er mehrmals. »Ich hatte gar nicht gewußt, daß der Bengel so viel Lärm vollführte.« Und er hörte in Gedanken die frische eifrige Stimme durchs Haus