»Mutti – war das ein schöner Abend – nicht? Herrlich! Daß der Professor so lustig sein könnte, hätte ich doch nie geglaubt! Und die Goldkette, was –? Die mußt du jetzt täglich tragen – o, warum hast du sie abgenommen – sie steht dir so gut! – Mutti,

was hast du – dich quält etwas – du hast dich auch nicht gefreut über die Geschenke – glaubst du nicht, daß der Professor uns lieb hat? Sag’ doch, Mutti?«

Der erregte Knabe setzte sich aufrecht, legte den Arm um seiner Mutter Hals und streichelte sie.

»Dich hat er lieb!« stieß Frau Martha hervor. »Was bin ich ihm? Nichts! Weniger als nichts! ... Eine Wirtschafterin –! Ausnützen tut er uns und dann ein Geschenk. Wie’s mich beleidigt, ahnt er nicht einmal! So von oben herab! – O – ich kenne ihn, den Zauberer – aber über mich hat er keine Macht mehr – nur dich – dich hat er ganz und gar!«

Sie schluchzte laut auf. Richard löste bestürzt den Arm von ihrem Hals. Der Ausbruch traf ihn so unvorbereitet, daß er zunächst nur grenzenlos erschrocken war. Niemals

noch hatte er so leidenschaftliche Töne aus seiner Mutter Munde verkommen. Wie kam sie, die Stille, Gefaßte, Verständige, zu diesem Verzweiflungsweinen? Wie lange mußte das schon in ihr gewühlt haben ... Aber was denn? Er begriff den Grund ihres Kummers noch immer nicht.

»Sag’ mir doch nur, warum du so traurig bist?« bat er. Und als sie schwieg, nur den Kopf heftig schüttelte, begann er leise zögernd, voll Scham und Scheu: »Wenn du ihm nicht verziehen hattest, warum kamst du dann zu ihm? Ich habe es nicht gewollt! Ich verstand dich auch anfangs nicht – ja – aber dann –! Dann habe ich ja begriffen – so gut – so gut ... Man muß ihn verehren ...«

Martha riß ihren Sohn plötzlich in ihre Arme und küßte ihn wild.

»Ich ertrage es nicht – ich ertrage es nicht!« stöhnte sie. »Ich gehe daran zugrunde – ich

werde schlecht, wenn ich hier bleibe – gemein, boshaft – gehässig – ganz, ganz klein werde ich, wenn ich länger hier bleibe ... Er hat mir alles genommen – und er wird dich mir auch noch nehmen. Du siehst und hörst ja schon nichts andres als ihn! Du bist ja schon wie verzaubert – Richard, hast du denn dein armes Mutti gar nicht mehr lieb?«