»Aber, Mutter –,« rief der Knabe, richtete sich schnell auf und sah seine Mutter mit seinen hellen Augen zornig an, »wie redest du nur? Ich kenne dich gar nicht mehr ... Ich habe dich lieb, das ist doch selbstverständlich. Darf ich darum einen andern Menschen nicht liebhaben ... Mutti – er – er ist doch mein Vater!«

»Gut – so wähle!« sagte Martha. Sie war aufgestanden und blickte mit verweinten, zerwühlten Zügen auf ihn nieder. »Ja, Richard – es geht nicht anders. Ich habe

mir Übermenschliches zugetraut und kann es nicht durchführen. Meinetwegen sage, ich bin schwach. Ich bin auch nur ein schwaches Weib. Ich will fort von hier. Fort aus dem Hause will ich!«

»Mutter – das – nein, das kannst du nicht!« schrie Richard ganz laut vor Schrecken und starrte seine Mutter voll Entsetzen an.

»Sei leise, Richard, er hört uns,« mahnte die Mutter. »Mein Junge, es wird dir schwer, aber du mußt mir das Opfer bringen – du wirst – ich weiß es ...«

»Welches Opfer?« fragte Richard und begann zu zittern. »Was meinst du denn, Mutti?«

»Daß du mit mir gehen sollst, Richard, das meine ich. Heimlich wollen wir fort. Anders geht es nicht – sonst bringt er uns ja doch wieder in seine Gewalt. Ich kann es nicht durchleben, wie er dich von meinem Herzen

fortlockt ... Und glaube mir, Richard – ich kenne ihn – in ihm ist eine schauerliche Kälte. Was gilt ihm Menschenglück – ihm gilt nur die Kunst ... Wenn du ihn da enttäuschest – du sollst es sehen, wie er dich rücksichtslos über Bord wirft ...«

»Das darf er auch,« sagte der Knabe trotzig. »Das ist sein gutes Recht!«

»Ich will es nicht erleben. Ich nicht. Ich zerbreche daran.«