Ihre Augen irrten hilflos. »Vielleicht ist es schon zu spät,« sagte sie plötzlich gedrückt, wie unter einer allzu schweren Bürde von Kummer. »Ja, ich fühle es, bleibe nur bei ihm ... Laß mich gehen, Richard, halte mich nicht zurück. Sieh – ich habe mir eine Stellung gesucht, wo ich Brot habe, selbständig bin. Nicht in Berlin, das war nur, um ihn irrezuführen. Du wirst mich nicht verraten, Richard! Wenn ich erst ganz weit fort von euch bin,

in der Arbeit, in recht viel Arbeit – dann wird es ja schon gehen. Dann werde ich mich ja schon wiederfinden ...«

»Mutter – das ist alles so unmöglich – so sonderbar unmöglich ...«

Nun streichelte sie ihn unter Tränen, die ihr über das blasse, eingefallene und erschöpfte Gesicht liefen.

»Gelt – du sagst ihm nichts – verrätst mich nicht? Mein armer Junge, daß ich dir so weh tun muß ...«

»Ja,« murmelte Richard und ließ den Kopf trostlos auf die Brust fallen, »du tust mir weh – so weh ...« Er krümmte sich, wie in großen Körperschmerzen. »Nie habe ich daran gedacht ... Nie ... Mutter – bitte – versuche doch zu schlafen ... Morgen wirst du alles anders sehen ...«

»Nein, Richard – das ist kein Plan von heut – der ist seit Wochen in mir gereift.

Und nun bin ich ganz entschlossen ... Aber ich will dich nicht zwingen, mit mir zu gehen. Es wäre wohl zu grausam ...?«

Richard ballte die Fäuste. ‘Nein, nein, ich gehe auch nicht mit ihr,’ schrie es in ihm. ‘Ich gehöre zu ihm und bleibe hier’ ...

Sie hatte wohl eine Antwort erwartet und beobachtete ihren Sohn eindringlich, gespannt. Er kniff die Lippen zusammen und wandte den Kopf von ihr fort. Mürrisch streckte er sich in seinen Kissen aus.