Der Knabe sprach die letzten Worte in einem so herzzerreißenden Ton von Hoffnungslosigkeit, daß Martha ihn heftig an sich drückte und flüsterte:

»Du wirst mich auch nicht hassen – mein Einziges?«

»Nein, Mutti – ich verstehe dich ja,« sagte er leise und müde.

So saßen sie noch eine ganze Weile festverschlungen in der schwülen Sommernacht,

schwiegen miteinander oder redeten leise über die Einzelheiten von Marthas Plan.

Endlich kehrte Richard in sein Bett zurück und fiel gleich in einen tiefen, schweren Schlaf.


Rolfers ging über den Hof in die Scheune. Lütje sollte das Pferd putzen und einspannen. Er wollte mit Richard über Land fahren, um ihm einen bestimmten Punkt zu zeigen, von dem aus er das Bild gemalt hatte, welches die Hamburger Kunsthalle zu kaufen beabsichtigte. Er war in guter Stimmung und pfiff, in Erinnerung des fröhlichen kleinen Gelages auf der Veranda, die Melodie von »Deutschland, Deutschland über alles«.

Ja, Gott sei Dank, die Einnahme von Lemberg, der Durchbruch von Mackensen – damit war doch ein weit offenes Tor geschaffen, durch das sich der Erfolg der deutschen Waffen vorwärts stürmend nach Rußland

hineinwälzen konnte. Deutschland würde nicht untergehen ... Es würde leben und siegen ... Und sein Blick schaute erlöst in die Zukunft. Der furchtbare Druck, der alle die vergangenen Monate auf seiner Brust gelegen hatte, war vergangen. Er konnte wieder frei atmen – sich freuen und leben. Sein Ich war tot – unter tausend bitteren Schmerzen gestorben. Dieses harte störrische Ich, das nur dazu da war, damit die Welt im Wirbel um diesen einen Mittelpunkt kreiste, das nur sich selbst wollte und begehrte, auch in aller Kunst nur sich selbst zur Darstellung bringen mußte, und darum doch niemals das Höchste erreichte ... Das wußte er ja ganz genau. Auch mit den zwei gesunden Armen und Händen hätte er’s nie gefaßt und erlangt, immer sich in Theorien zerquält ... Der Junge – der arbeitete viel naiver darauf los, als er’s je gekonnt. Am Ende erreichte Richard das in