der Kunst, was er so inbrünstig gesucht sein Leben lang. Könnte er ihn nur bewahren vor der Akademie-Wirtschaft, dem neidischen Schauen auf den Nebenbuhler, dem Gieren nach Erfolg, nach Aufsehen. Könnte er ihn schützen vor der wilden Hetzjagd, in der sie sich alle verzehrt hatten, er und seine Zeitgenossen. Es lag doch eine wundervolle reife Süße in dem Sichselbstaufgeben um des Kommenden willen – nur noch einer sein, der den Weg bereitet in das neue Land, für die Jugend in der geretteten Heimat.

Rolfers trat in den dämmerigen Schuppen, in den die Sonne durch das große Eingangstor eine Bahn hellen Lichtes sandte, von Milliarden Staubatomen durchflimmert. Er sah den alten Kutscher nicht und wollte eben wieder hinausgehen, ihn im Stalle nebenan zu suchen, da hörte er hinter dem verstaubten Schlitten aus der Dunkelheit ein

Bewegen. Er horchte auf – dort verbarg sich jemand.

Mit ein paar raschen Schritten ging er um den Schlitten herum. Auf einem Futtersack saß Richard, zusammengekrümmt, beide Arme auf einen vorspringenden Balken gelegt, den Kopf darauf gedrückt. Seine Schultern zuckten in kurzen Stößen, ein Ton, wie von einem Weinen, das gewaltsam unterdrückt werden soll, drang zu Rolfers. Es wurde ihm kalt und schwindlig vor den Augen, so tief erschrak er. Was war denn hier geschehen?

»Richard ...«

Er wollte mit der Linken ihm den Kopf heben, aber der wühlte sich nur tiefer in das Versteck der Arme. Der ganze Knabenkörper wurde durchschüttelt von diesem leidenschaftlichen Schluchzen.

»Richard, mein Kerlchen – um Gottes willen – was ist dir denn geschehen? Sieh

mich doch an – weißt du denn nicht, wie ich’s mit dir meine? Du kannst mir doch vertrauen!«

Der Junge sprang heftig auf, zeigte ihm ein heiß und rot geweintes Gesicht, entzündete, verschwollene Augen, warf ihm beide Arme um den Hals und legte, wie in einer völligen Erschöpfung von Jammer, seinen Kopf an die Brust des Mannes. Der suchte zunächst nur seine Tränen zu trocknen, streichelte ihm das Haar und flüsterte ihm gute, beruhigende Worte zu.

Richard hob den Kopf und lächelte, wie kranke Kinder zuweilen lächeln, um die Erwachsenen über ihre Schmerzen zu beruhigen.