»– Es ist ja nichts,« antwortete er eilig, »nur Dummheit ... Ich hatte etwas mit Mutti, – es ist schon vorbei.«

»Da machst du mir nun nichts weiß, mein Junge,« sagte Rolfers sehr ernst. »Die Wahrheit

werde ich schon erfahren, auch wenn du sie mir nicht sagen willst – verlaß dich drauf.«

Sein Blick weilte eindringlich auf dem Knaben. Die verschiedensten Möglichkeiten, die den sonst so harten Jungen zu diesem einsamen Schmerzensausbruch veranlaßt haben könnten, jagten durch seine Phantasie. Auf das Richtige verfiel er nicht. Irgendein Erlebnis in Berlin erschien ihm als das Nächstliegende. Mutter und Sohn hatten gestern abend lange miteinander geredet, – ja er hatte ihre erregten Stimmen einigemal in harter Steigerung gehört.

»Richard, – soll ich dich erst bitten, mir zu sagen, was dir fehlt?«

In dem von Weinen verschwollenen Gesicht wühlte und arbeitete es. »Die Mutter wollte mit Ihnen reden,« stotterte der Junge. »Sie wird es doch nicht tun, sie sagt ja, sie hat keinen Mut.«

Rolfers zog die Brauen zusammen, sein Gesicht bekam dadurch etwas Finsteres, Drohendes. »Keinen Mut,« grollte er, »was soll denn das heißen ... Da habe ich seit Monaten geglaubt, mit Freunden zusammen zu leben, und nun scheint es, sie hecken hinter meinem Rücken irgend etwas aus, was nur geheimgehalten werden muß.«

»Sehen Sie,« sagte Richard lebhaft, »das habe ich der Mutter auch gesagt. Sie müssen es wissen! Wir wollen fort!«

»Was – fort von mir – fort –? du auch?«

Richard nickte. »Ich gehöre zu Mutter!« Das war nur noch ein trotziges Gemurmel. Aber Rolfers hatte es doch verstanden. Er war vollständig fassungslos – an diese Möglichkeit, wenn er sie auch Martha freigestellt, hatte er doch niemals im Ernst gedacht. Das Gefühl einer ungeheuren Enttäuschung schnürte ihm die Kehle zu. Ein Zorn stieg in