ihm hoch – er hätte sich auf den Jungen werfen und ihn erwürgen können. – Der aber, wie er sah, daß der Mann blauweiß wurde im Gesicht und an der Nachricht fast erstickte, beugte sich, nahm seine linke Hand und küßte sie. Demütig und zärtlich hob er die Hand und legte sie auf sein eigenes Herz, das in wilden Stößen ihm die Brust beklemmte. Und sah mit seinen hellen, rotgeränderten Augen, deren Wimpern noch feucht glitzerten, flehend zu ihm auf. Wie ein stummes Tierchen, dem großes Unrecht geschieht.
Rolfers zog einen tiefen Atemzug. »Also – da scheint sich deine Mutter etwas recht Törichtes ausgegrübelt zu haben! Nun – wir werden ja sehen – wir werden ja sehen!«
Er faßte mit der linken Richards Kinn und hob seinen Kopf ein wenig zu sich empor. Seine Hand war kalt und zitterte, aber er sah den Knaben lange an.
»– du glaubst, ich ließe dich von mir,« sagte er undeutlich, »dich – meinen Weg, mein Ziel ... meine Ewigkeit ...«
Er strich mit der Hand über die Stirn.
»Nun komm, wir gehen durchs Gartenpförtchen ins Moor hinaus. Die Mutter ist vorn und sieht uns nicht, – da erzählst du mir alles. Wir werden schon ein Mittel finden, die Mutter umzustimmen. Ich glaube, ich weiß bereits eins – mit dem ich mich in diesen ganzen letzten Wochen herumgeschleppt habe ... Sonderbar – man weiß – ein Entschluß ist reif – und kann doch nicht dazu kommen, die letzte Türe aufzustoßen.«
»Nicht wahr,« fragte Richard, »wenn wir heimlich fortgegangen wären – Sie hätten uns nie wieder geholt?«
»Nein, da kennst du mich gut – das hätte ich nie über mich gebracht.«
Richard nickte sinnend. Plötzlich hob er die Arme, warf sie Rolfers um den Hals, drückte ihn stürmisch und küßte ihn auf den Mund, der ihm beglückt entgegenkam, und zum erstenmal sprach er den Namen: »Vater – mein Vater!«
Sie gingen beide den Weg ins Moor, auf dem Rolfers schon in vielen kampfreichen Stunden seines Lebens auf und nieder geschritten war. Hand in Hand gingen sie dort und redeten miteinander wie zwei Freunde.