Wenn Wiederholungen desselben arabischen Namens bei verschiedenen Pflanzenarten stattfinden, und umgekehrt, wenn dieselben botanischen Bezeichnungen für verschiedene arabische Pflanzennamen angegeben sind, bezeichnet ein ! denjenigen Namen, dem der beigefügte Begriff und umgekehrt denjenigen botanischen Begriff, dem ein arabischer Name vorzugsweise, bezw. von Rechts wegen alleinig gebührt. Es sollte durch das ! angedeutet werden, daß die übrigen Namen zwar gebräuchlich, aber sicherlich nur irrtümlich in Gebrauch sind. Indes konnte das ! nur eine beschränkte und eigentlich nur in den Listen der Abteilung I gesicherte Verwendung finden, da in den übrigen Florengebieten für ein Urteil von entsprechender Bestimmtheit wie in Aegypten nicht die nötige Erfahrung zu Gebote stand.

Die arabischen Pflanzennamen sind fast stets als Kollektivbegriff wiedergegeben worden. Bei einigen ist die gehörte Form des Einheitsbegriffs beibehalten, da beide in gewissen Fällen nicht mit Sicherheit zu unterscheiden waren, die Bevorzugung des Einheitsbegriffs vielleicht auch, wie die Beibehaltung des in diesen Namenlisten sonst (d.h. bei den aus einfachen Worten bestehenden) weggelassenen Artikels für gewisse Namen charakteristisch, ja erforderlich sein möchte. Einen Grund für diese Erscheinung anzugeben, entzieht sich meiner Kompetenz. Sollte etwa durch den Artikel die Wohlbekanntheit und das überall Vorhandensein (Ubiquität), oder gar die besondere Bedeutung und Wichtigkeit einer Pflanze hervorgehoben werden?

Um eine richtige Wiedergabe der Namen zu ermöglichen, ist das l des Artikels el überall, wo es sich beim Aussprechen den Anlaut des zugehörigen Worts assimiliert, durch eine Wiederholung des betreffenden Konsonanten, d.h. des für ihn in meinem Alphabet der Umschreibung vorhandenen Äquivalents ersetzt.

Ferner mußten, um Irrungen zu vermeiden, ähnlich lautende, oft nur durch die Vokale voneinander abweichende Namen für verschiedenartige, oft auch nahe verwandte Pflanzen getrennt aufgeführt werden. Selbstverständlich werden solche Varianten späterhin zu vereinigen sein, wenn erst die richtige Schreibweise sicher festgestellt ist.

Beim Erfragen der einheimischen Pflanzennamen muß der Pflanzenkundige mit großer Umsicht verfahren und besonders in der Wahl der Auszufragenden hat er behutsam vorzugehen. In südlichen Ländern, wo die Städter seltener auf's Land kommen als bei uns, ist die Unkenntnis der Pflanzennamen bei diesen ganz allgemein und das wenige, was sie davon wissen, beschränkt sich fast ausschließlich auf die Gewächse des Gartenbaus und die auf den Märkten zum Verkauf gebrachten Erzeugnisse des Pflanzenreichs. Auch in dem so vorwiegend landwirtschaftlichen Aegypten ist es nicht viel anders. Aus dieser in allen Ländern des Orients vorhandenen Sachlage erklärt sich die Armut an identifizierten und identifizierbaren Pflanzennamen, die in den arabischen Wörtersammlungen der Schriftsprache enthalten sind. Die Identifizierung der meisten (d.h. vermittelst Beifügung der botanischen Artbezeichnung) wird durch die unbeholfene Definition und Ausdrucksweise der Lexikographen vereitelt.

Um richtige Pflanzennamen zu erhalten, hat man sich in allen Ländern zunächst an die Landleute, an Feldbauern und Hirten, an die Viehhüter, dann an Kräutersammler von Beruf, an die Brennmaterialien sammelnden Weiber, gelegentlich auch an Gärtner zu wenden. In den Wüstengebieten des Orients dürften diejenigen Bewohner, die eine nomadisierende Lebensweise führen, die sog. Beduinen, durchschnittlich als gute Kenner ihrer einheimischen wilden Flora gelten, da sie alle irgendwie durch ihre Eigenart hervorstechenden Gewächse wohl zu unterscheiden, auch durch bestimmte Bezeichnungen namhaft zu machen wissen und, vor allem, weil sehr viele Pflanzen für ihr Wirtschaftsleben von großer Bedeutung sind, als Futter für die Kamele und das Kleinvieh, als Arznei, als verwertbar für die eigene Speise, gelegentlich auch als Handelsware.

Bei allen Pflanzennamen wird es immer Pflicht des Lexikographen sein, den dialektischen Eigenheiten der unteren Volksschicht Rechnung zu tragen; denn nur diese ist im Vollbesitz der botanischen Nomenklatur ihrer Sprache, und sie ist es in ganz überwiegendem Maße bei den eines geregelten Volksunterrichts entbehrenden Bewohnern des mohammedanischen Orients. Selbstverständlich ist bei solchem Zurückgreifen in den Sprachschatz der Analphabeten das Innehalten gewisser Grenzen geboten. Bei Namen von ganz allgemeiner Verwendung, zum Teil auch bei solchen, die aus bekannten Wörtern zusammengesetzt sind, oder abgeleitete Formen dieser Wörter darstellen, wird die Orthographie nach den ihnen in der Schriftsprache zukommenden Buchstaben zu regeln sein. Es ist mein Bestreben gewesen diesem Grundsatz nach Kräften gerecht zu werden. Es war mir aber nur in denjenigen Fällen möglich, wo die Etymologie eines Pflanzennamens sicher und ohne irgend welchen Zweifel zuzulassen, festgestellt werden konnte.

Andererseits verfällt man beim Erratenwollen des etymologischen Wortskeletts nur zu leicht in den Fehler einer Zwangsdeutung solcher morphologischer Merkmale, die zur Charakterisierung einer Pflanze angerufen werden. Der Botaniker wird darüber zu entscheiden haben, ob gewisse Vergleiche zwischen den von einer Pflanzenart dargebotenen Gestaltungen und den Formen bekannter Dinge auch in der Natur der Pflanze begründet sind oder nicht. Dasselbe gilt von den übrigen Eigenschaften der Pflanzen und ihrer Beziehungen zum Menschen, wo Vergleiche stets eine große Vertrautheit mit der Flora des betreffenden Landes und der Lebensweise seiner Bewohner voraussetzen.

In jeder Sprache wird man bei Niederschrift der gehörten Pflanzennamen, die nur im Besitze des der Schrift unkundigen Teils der Bevölkerung sind, auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen und vielleicht wären nur wenige Gewächse der freien Natur ausfindig zu machen, zu deren Bezeichnung alsdann die Schreibweise einwandsfrei feststände. Wenn ich den Versuch gemacht habe, für einige Gebiete arabisch sprechender Völker eine erhebliche Zahl von Beispielen dieser problematischer botanischer Nomenklatur zusammenzustellen, so muß ich es dem Kenner überlassen, künftighin das Endgültige an Ort und Stelle festzustellen. Es wird Aufgabe eines arabisch geschulten Philologen sein, wenn er dazu genügende Dialektstudien gemacht hat, für diese Namen die Einheitlichkeit der Schreibweise in vollkommenerer Weise herzustellen.

Abgesehen von dem unzureichend geübten Sprachgehör des Fremdländers, oft selbst des geschulten Arabisten, wird eine zutreffende Buchstaben wahl gelegentlich auch durch die individuellen Eigenheiten des Gewährsmannes[1] beeinträchtigt.