La grammaire qui sait régenter jusqu'aux rois
Die Grammatik, welche sogar die Könige zu beherrschen weiss,
verarbeitet wird, bezieht sich auf Kaiser Sigismund, der nach des Cuspinianus Kaiserchronik (unter "Sigismund") auf dem Kostnitzer Konzil (1414-18) "Schisma" als männliches Hauptwort brauchte und, deswegen vom Erzbischof Placentinus gerügt, lateinisch ausrief: "Placentinus, Placentinus, wenn du auch Allen gefallen solltest, gefällst Du uns keineswegs, da Du meinst, dass wir weniger Autorität besitzen als der Grammatiker Priscianus, den, wie Du behauptest, ich verletzt habe"; vrgl. Zincgref "Apophth.", Strassb. 1626, S. 60.[75]—Menzel "Geschichte der Deutschen", 3. Aufl., Kap. 325: "Konzilium zu Konstanz", lässt ohne Angabe der Quelle den Kaiser sagen: "Ego sum rex Romanus et supra grammaticam" (Ich bin Römischer König und über der Grammatik).—
[75] Sueton "Über berühmte Grammatiker" 22 und Cassius Dio 57, 17 erzählen: Als Tiberius sich eines unlateinisohen Wortes bedient und Atteius Capito geäussert hatte, wenn es auch kein lateinisches Wort sei, so würde es von nun an eins werden, sagte Marcellus: "Menschen, o Kaiser, kannst Du das Bürgerrecht wohl geben, aber nicht Wörtern".
O sancta simplicitas!
O heilige Einfalt!
soll Huss 1415 (nach Zincgref-Weidner, Amsterdam 1653, 3. T., S. 383) auf dem Scheiterhaufen ausgerufen haben, als er sah, wie ein Bauer (nach von Loeper: "Faust", sowie von Karl von Gebler: "Nachklänge", 1880, 1. Bd., S. 182: "ein altes Mütterchen") in blindem Glaubenseifer sein Stück Holz zu den Flammen herbeitrug. Doch wird schon in der lateinischen Fortsetzung der Kirchengeschichte des Eusebius († 340) durch Rufinus († 395) B. 10, K. 3 die "sancta simplicitas" erwähnt, mit der ein Bekenner auf dem ersten Konzil zu Nicaea (325) einen bis dahin unüberwindlichen Philosophen zum Schweigen brachte und bekehrte. "Johann Huss und das Konzil zu Costnitz" nach E. de Bonnechose (Leipz. 1848, S. 254) enthält nichts von einem solchen Ausrufe des Huss.—
Bei jeder Kaiserkrönung in Deutschland rief der kaiserliche Herold:
Ist kein Dalberg da?
worauf der anwesende Dalberg vom neugekrönten Kaiser den Ritterschlag als erster Reichsritter empfing. Zum ersten Male wird dieser einem Dalberg gewährte Ritterschlag bei der römischen Kaiserkrönung Friedrichs III. im Jahre 1452 erwähnt. ("Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte". Neue Folge I, S. 101.)—