Im 23. Briefe heisst es:

( Mihi crede, ) res severa est verum gaudium, (Glaube mir,) eine ernste Sache ist eine wahre Freude.

Diese Worte standen als Weihespruch am alten Gewandhause in Leipzig und stehen nun wieder dort am neuen Konzerthause. Der Musikdirigent Langer übersetzte sie: "eine schwere Sache ist ein wahrer Spass".—

Aus dem 96. Briefe wird citiert:

Vivere ( mi Lucili ) militare est, Leben, mein Lucilius, heisst kämpfen,

(s. Kap. V: "ma vie est un combat" ).—

Der 106. Brief schliesst mit dem vorwurfsvollen: "Non vitae, sed scholae discimus" (leider lernen wir nicht für das Leben, sondern für die Schule). Wir stellen es um und citieren belehrend:

Non scholae, sed vitae discimus, Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.—

Im 107. Briefe wird mit Anlehnung an Verse des Stoikers Kleanthes (4. Jahrh. v. Chr.), die Epiktet (c. 52. Ausg. v. Chr. Gottl. Heyne. Lpzg. 1783) überliefert, das Wort geschaffen:

Ducunt volentem fata, nolentem trahunt, Den Willigen führt das Geschick, den Störrischen schleift es mit.— Licentia poetica, Poetische Licenz,