Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 212. Taulipangjungen in Festtracht.

(Roroimagebiet an den Grenzen Brasiliens, Venezuelas und Britisch-Guyanas.) Der Knabe in der Mitte stützt sich auf ein Rohr, einige andere halten Tanzkeulen über der Schulter.

Südamerika.

Die Eingeborenen Südamerikas zählen gleichfalls zu den Indianern, obwohl sie äußerlich in mancher Hinsicht von dem nordamerikanischen Typus abweichen. Ohne Zweifel sind nordamerikanische Indianer bereits in weit zurückliegenden Zeiten über die Landenge von Panama nach dem Süden vorgedrungen und haben sich dort ausgebreitet; später fand dann wieder eine Rückwanderung statt, die zur Zeit der Entdeckung Amerikas ihren Abschluß noch nicht gefunden zu haben scheint. Wir lernten als solche Rückwanderer bereits die Karaiben und Aruaken kennen.

Der südamerikanische Indianer nimmt in anthropologischer Hinsicht eine Mittelstellung zwischen der mongolischen, der kaukasischen und der polynesischen Rasse ein. Wir erwähnten bereits an anderer Stelle, daß die ursprüngliche Bevölkerung Amerikas teils aus Einwanderern aus Asien, teils aus solchen aus Europa hervorgegangen sein dürfte; wir haben ferner Anzeichen für die Annahme, daß auch von Polynesien aus auf vermutlich in früheren Zeiten bestehenden Inselbrücken malaiische Elemente nach Südamerika hinübergewandert sind und zu der Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung beigetragen haben mögen. Der Typus der südamerikanischen Indianer weist eine ziemliche Mannigfaltigkeit auf. Dies zeigt sich schon an der Körpergröße. Wir begegnen recht großen Stämmen, wie den Tehueltschen oder Patagoniern und den Bororo, unter denen Gestalten von einhunderteinundneunzig bis einhundertzweiundneunzig Zentimetern durchaus keine Seltenheit sind; mit einem Mittel von einhundertfünfundsiebzig bis einhundertachtzig zählen beide Stämme zu den größten Menschen der Erde. Andererseits aber gibt es in Südamerika auch Indianerstämme, die von auffälliger Kleinheit sind, wie die Feuerländer mit nur einhundertachtundfünfzig Zentimetern, die merkwürdigerweise dicht neben den größten Menschen wohnen, ferner die Trumai, Puru, Karaiben von Guyana und andere. — Die Hautfarbe der südamerikanischen Eingeborenen zeigt im allgemeinen einen etwas helleren Ton, der etwa gelbgrauem Lehm gleicht; natürlich kommen hier und da auch dunklere Tönungen vor. Das Kopfhaar ist für gewöhnlich von grober, straffer Beschaffenheit und leuchtend-braunschwarzer Farbe; daneben gibt es unter manchen Stämmen auch verhältnismäßig häufig feines, leicht gewelltes Haar, ja selbst geringeltes und sogar gelocktes; fremde Blutmischung dürfte als Ursache hierfür nicht in Betracht kommen.

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 213. Ein Umauaindianer vom Yapuraflusse in Ostkolumbien.