Der Anzug besteht aus einem breiten Brustgürtel, einer Art Weste, die aus steifem Bast hergestellt und reich mit roter Farbe bemalt ist. Er wird um Brust und Bauch fest umgelegt. Die Schamgegend bedeckt eine Schürze aus feinen Rindenfasern.
Die Kleidung entspricht dem jeweiligen Kulturstande; bei vielen Stämmen fehlt sie gänzlich, bei anderen ist sie sehr knapp bemessen. (Hierzu die [Kunstbeilage].) Sie wird, wie Karl v. den Steinen nachgewiesen hat, in ihren ersten Anfängen hier nicht vom Schamgefühl gefordert, sondern entspricht dem Verlangen nach Schutz gegen Gefährdungen durch die Tierwelt, im besonderen von seiten einer Zeckenart und kleiner Fische, die mit Vorliebe beim Baden in die äußeren Geschlechtsöffnungen eindringen. Auf der ursprünglichen Stufe besteht die Kleidung des männlichen Geschlechts dementsprechend in einer Hüftschnur ([Abbild. 212]), oder es wird auch nur die Vorhaut zusammengebunden bzw. das Glied mit einem Überzug versehen; bei den Frauen tritt an dessen Stelle ein kleines, dreieckiges Stück Bast (Uluri), das über den Scheideneingang gebunden wird und diesen dicht verschließt. In weiterer Ausbildung kommt es zu Schambinden oder größeren Schürzen aus Rinde oder Bast. Ein eigenartiges Bekleidungstück sind breite, steife Gürtel ([Abb. 213]) aus Borke, Bast oder Perlschnüren, die um den Rumpf prall angelegt werden und diesen in dem Maße einschnüren, daß das Fleisch an den Rändern hervorquillt. Dieser „Schnürleib“ wird so selten wie möglich abgelegt und so lange getragen, bis es nicht länger angängig ist und der Gürtel gewechselt werden muß. In ähnlicher Weise werden die Gliedmaßen, Oberarme und Unterschenkel, eingeschnürt, damit die Muskeln gekräftigt werden; bei den Karaiben ist diese Verunstaltung eine kennzeichnende Stammeseigentümlichkeit, durch die sie schon den ersten Besuchern Amerikas aufgefallen waren. — Die in den kälteren Gegenden lebenden Indianer hüllen sich in Tierfelle ([Abb. 214]) oder Decken ([Abb. 215]; siehe auch die [Kunstbeilage]).
Durchbohrungen im Gesicht, am meisten an den Ohren, der Nase und der Unterlippe, werden von den meisten Stämmen Südamerikas vorgenommen. In die dadurch entstandenen Löcher steckt man allerlei Zierat, so in die Ohrläppchen Pflöcke, Stäbchen, zusammengerollte Blätter oder bunte Federn, oft bis zu einer solchen Größe beziehungsweise Schwere, daß das Ohrläppchen bis auf die Schulter herabhängt (zum Beispiel bei den Botokuden); in der Nasenscheidewand ([Abb. 216]), den Mundwinkeln und der Unterlippe bringt man ähnliche Sachen an, wohl auch Muschelschalen, dünne Holzspäne und dergleichen. Eine sehr beliebte Körperverzierung ist auch das Anmalen, das gelegentlich eine solche Ausdehnung annimmt, daß die Leute, wie Koch-Grünberg sagt, beim ersten Anblick aussehen, als ob sie einen bunten, gestrickten Anzug trügen. Die Bemalung wird aus feierlichen Anlässen, bei Festen ([Abb. 220]) und Tänzen, beim Empfang von Gästen und sonstigen besonderen Gelegenheiten vorgenommen. Junge Leute betreiben dies gleichsam als eine Art Sport; sie lassen es sich angelegen sein, immer neue Muster auszuklügeln, und verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, sich in dieser Weise auszuputzen; sie entsprechen insofern unseren Stutzern.
Tatauierung ([Abb. 217] bis [219]) kommt viel seltener vor; sie pflegt dann auch wohl immer ein Stammesabzeichen zu sein. Durch zierliche, arabeskenartige Muster zeichnen sich die Frauen der Kadiué aus.
Phot. H. H. Johnston.
Abb. 214. Onaindianerfamilie (Feuerland).
Ihre Kleidung ist aus Robben-, Otter- oder Guanacofellen hergestellt.
Der Pflege der Haare wird im allgemeinen weniger Beachtung geschenkt, doch versieht man sie gern mit schönem Federaufputz. Federschmuck ([Abb. 221], [223] und [224]) ist gerade für Südamerika recht bezeichnend. Es werden daraus schöne Mäntel, Oberarmbehänge, ja sogar ganze Anzüge in mühseliger Arbeit hergestellt, die ihrer Kostbarkeit wegen allerdings nur bei ganz besonders festlichen Anlässen getragen werden; in der Zwischenzeit bewahrt man sie sorgfältig in geflochtenen Schachteln auf. Den Stoff geben die farbenprächtigen Vögel der Tropenwelt ab: Papageien, Araras, Ibis, Reiher und andere.
Der sonstige Schmuck ist äußerst mannigfaltig; alle drei Reiche der Natur müssen dazu beitragen. Bald sind es Zähne der großen Säugetiere (Affe, Wildschwein, Jaguar und so weiter), Kieferstücke von Fischen, Klauen vom Gürteltier, schillernde Flügeldecken von Prachtkäfern oder Hörner des Hirschkäfers, Muschelschnecken, bald allerlei Fruchtkerne oder Fruchtkapseln, bald auch glänzende oder bunte durchbohrte Gesteine oder Perlen ([Abb. 222]), die man als Ketten oder Bänder um den Körper hängt.