Phot. J. Valentine.
Abb. 257. Denkmäler zu Kirkconnell Moor zur Erinnerung an schottische Märtyrer,
die lieber für ihren Glauben den Tod erlitten, als daß sie gemäß der Uniformity Act vom Jahre 1662 das Ritual der englischen Kirche annahmen. Man begegnet solchen durch fromme Sammlungen entstandenen Denkmälern vielfach auf den einsamen, wilden Hügeln des südlichen Schottland.
Phot. T. J. Westropp.
Abb. 258. Die heilige Senansquelle zu Kiltinanlea.
An dem sie umgebenden Gebüsch sind Lumpen aufgehängt, die als bescheidene Opfergaben dargebracht wurden.
Ebenso wie die Namen der Wochentage gehen auch unsere kirchlichen und weltlichen Feste auf die religiösen Anschauungen unserer Altvordern zurück, und zwar in erster Linie auf ihren Sonnenkultus. Die Sonne spendet der Erde Licht und Wärme und damit die notwendigen Grundbedingungen für alles Leben. Daher feierten auch die alten Germanen, ebenso wie andere Völker des Altertums, den Zeitpunkt der Sonnenwende beziehungsweise des höchsten und tiefsten Standes der Sonne sowie der Tagundnachtgleiche und begingen dementsprechend das eine Fest um die Mitte des Sommers und des Winters, das andere im Frühling. Die altgermanische Vorstellung faßte den Wechsel der Jahreszeiten als einen Kampf des Lichtes mit der Finsternis auf; der Winter als böse Macht hat die Natur in Eis und Kälte erstarren lassen, also anscheinend die den Menschen gutgesinnte Macht, die Sonne, überwunden. Die Wintersonnenwende ist der Zeitpunkt, an dem es der Sonne nun gelingt, wiederum zu neuem Leben zu erwachen und mit der Dunkelheit des Winters den Kampf aufzunehmen. Zwölf Tage lang (die sogenannten Zwölften) währt derselbe, bis es sich deutlich an der zunehmenden Länge des Tages zeigt, daß die Sonne als Siegerin aus ihm hervorgehen wird. Daher sahen die alten Germanen den Tag der Wintersonnenwende mit Recht als den Anfang einer neuen Zeit an und begingen ihn festlich. Um den heidnischen Anschauungen sich anzupassen, verlegte die christliche Kirche auf diesen Tag der Wiedergeburt des Lichtes auch die Geburt des neuen Verkünders des Heils, des Messias. — Der endgültige Ausgang des Kampfes zwischen Licht und Finsternis, der vollendete Sieg des Lichtes gab unseren Altvordern wiederum Gelegenheit zu einem Feste, der Feier der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Dementsprechend wurde von der christlichen Kirche der Sieg Christi über den Tod auf den gleichen Zeitpunkt verlegt und zum Osterfest gemacht. — Der Augenblick, an dem die Natur ihre Höhe erlangt und ihre größte Pracht entfaltet, ist der Mittsommertag, an dem auch die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hat. Er war für unsere heidnischen Vorfahren ebenfalls Gegenstand ausgelassener Freude. Die christliche Religion setzte diesen Tag der Erfüllung der Verheißung, der Ausgießung des heiligen Geistes über die Menschheit, gleich und verlegte in ungefähr dieselbe Zeit (allerdings einige Wochen früher) das letzte ihrer drei großen Hauptfeste, Pfingsten. Wir sehen also auf der einen Seite, der heidnischen, das Ringen zwischen Licht und Finsternis, auf der anderen, der christlichen, den Kampf zwischen Sünde und Erlösung, beidemal Anfang, Wachsen und Vollendung.