Phot. Thos. E. Smurthwaite.
Abb. 261. Mädchen in norwegischer Landestracht,
wie sie hauptsächlich noch in Hardanger und Saetersdalen getragen wird: kurzer, dunkelblauer Rock mit buntem Besatz, weiße Ärmel, mit Silber besticktes Leibchen, Gürtel aus Metall und weiße Haube.
Am Weihnachtsabend und ebenso am ersten Festtage sind wohl überall bestimmte Gerichte zu den Mahlzeiten üblich. Dem Gotte Donar war der Eber heilig, daher wurde dieses Tier bei den gemeinsamen Opfern der alten Germanen gelegentlich des Julfestes mit Vorliebe verspeist. Noch heutigestags ist Eberkopf oder Wildschweinkopf ein beliebtes Weihnachtsgericht, besonders in England. Mit diesem alten Aberglauben hängt auch eine in Oxford in studentischem Kreise noch immer am Heiligen Abend geübte Sitte zusammen, die Wildschweinprozession. Vor den versammelten Professoren und der Studentenschaft bewegt sich zum Saale herein ein Festzug, dessen Erscheinen fröhliche Fanfaren ankündigen. An seiner Spitze schreitet ein in Weiß gekleideter Sänger, ihm folgen zwei Personen mit einer großen Platte, auf der der mit Lorbeer und Rosmarin bekränzte, mit einer goldenen Krone geschmückte und zwischen den Hauern eine Zitrone haltende Kopf eines Ebers ruht. Eine Anzahl Studenten, gleichfalls in Weiß, beschließen den Zug. Der Sänger stimmt beim Eintritt in den Saal ein Lied an, das in humorvoller Weise die kulinarischen Eigenschaften des Wildschweinkopfes preist und dessen Kehrreim vom Chor mitgesungen wird. Unter Absingung noch anderer Weisen, in denen den Festgenossen Gesundheit und langes Leben gewünscht wird, begibt sich der Zug langsam zur Professorentafel und setzt die Platte vor den Rektor hin. Dieser zieht die Zitrone mit feierlicher Gebärde aus dem Maule des Tieres und bietet sie dem Sänger an. Darauf drängen sich alle Anwesenden an den Tisch, um ihren Anteil bei der Verteilung der Lorbeerblätter und des Rosmarins zu erhaschen, denn beide stehen in dem Rufe, Glück zu bringen. Ist alles aufgeteilt, dann begibt sich der Zug zu einem üppigen Mahl, bei dem Truthahn und Plumpudding nicht fehlen dürfen. Der Truthahn, desgleichen der Karpfen waren als Sinnbild der Fruchtbarkeit der germanischen Göttin Freia heilig; man brachte sie in der Vorzeit ihr zum Opfer dar. Daher sind beide ein beliebtes Weihnachtsessen, der Truthahn allerdings nur in England, dagegen der Karpfen auch in ganz Deutschland. In Skandinavien bevorzugt man den Lütgefisk, dessen traniger Geruch die Nase gewaltig belästigt, weswegen man ihn auch meistens in der Küche zu verspeisen pflegt. Unmittelbar hinter den Fischgerichten kommt als Weihnachtsbraten das Geflügel; in England ist es, wie wir hörten, der Truthahn, in wohlhabenden Kreisen auch der Schwan, in Deutschland wie auch in Dänemark die Gans, in anderen Gegenden der Fasan und das Perlhuhn. Unter den Beigaben zur Tafel spielen Grünkohl, Hirse und Mohn allenthalben eine große Rolle. Merkwürdigerweise besteht in einzelnen Gegenden für Weihnachten ein Verbot des Genusses von Erbsen. — Wir dürfen endlich bei der Erwähnung der Weihnachtspeisen nicht des Backwerks vergessen, das wohl in keinem deutschen Hause zu Weihnachten fehlt. Zusammensetzung, Form und Benennung dieses Weihnachtsgebäcks wechseln nach den Provinzen und selbst von Stadt zu Stadt; man spricht in Österreich und in Schlesien von Striezeln, in Sachsen von Christstollen, in Thorn von Kathrinchen, in Königsberg und Lübeck von Marzipan, in Mecklenburg und Holland von Heetwecken, in Aachen von Printen, in Nürnberg von Lebkuchen, in Basel von Leckerli, und so weiter.
Phot. H. H. Johnston.
Abb. 262. Mädchen in nordholländischer Tracht.
Bezeichnend für die allgemeine Landestracht sind die eigentümlichen Kopfbedeckungen, die indessen je nach dem Ort Abweichungen zeigen. Zu Volendam und Marken sind die Trachten ganz besonders malerisch und werden von alt und jung noch sehr viel getragen.