Phot. The Tourist Traffic Society of Sweden.
Abb. 291. Weihnachtsfeier in Schweden.
Die an den Christbaum gesteckten Lichter werden am Heiligen Abend angezündet. Am anderen Morgen vor der Christmesse pflegt man die Lichter noch einmal anzuzünden und ins Fenster zu stellen.
Die Sitte der Osterfeuer geht auf die reinigende Kraft der Flamme zurück, mit der ursprünglich die Hexen und Dämonen des Winters vertrieben werden sollten. In vielen Gegenden Deutschlands pflegt das Volk am Abend des ersten Ostertages mit Vorliebe auf Anhöhen, alten Opferstätten oder sonst durch Überlieferung geheiligten Plätzen haushoch aufgetürmte Haufen Holz oder Reisig als Osterfeuer anzuzünden. Vielfach wird noch mit Musik in festlichem Zuge zu der Stätte hinausgezogen und getanzt oder sonstwie gefeiert; auch die Kinder beteiligen sich mit allerlei Schabernack dabei. In einzelnen Gegenden läßt man mit Teer gefüllte Tonnen oder flammende Wagenräder die Berge hinunterrollen und begleitet diesen Vorgang mit lautem Gejohle. Der Glaube an die reinigende Kraft des Feuers tritt noch in einer ganzen Reihe anderer Gebräuche zutage. Im Braunschweigischen behauptet man, daß, soweit die Helle der Osterfeuer reiche oder der Rauch hinziehe, die Felder fruchtbar würden und von Hagel und Mißwachs verschont blieben; die Häuser in diesem Umkreis seien vor Feuersbrunst und Blitzschlag, ihre Insassen vor Krankheit geschützt. Man pflegt auch vielfach die Asche des heruntergebrannten
Feuers auf die Äcker zu streuen oder unter das Futter beziehungsweise die Saat zu mischen, um Gedeihen für Tiere und Pflanzen zu erzielen. In der Altmark malt man mit Kohle das Zeichen des Kreuzes an die Haustür, um seine Bewohner vor Hexen zu schützen, und mehr dergleichen. In katholischen Gegenden werden am Ostersonntagmorgen überall auf den Dörfern die Speisen geweiht. Nach dem Gottesdienst drängen sich Frauen und Mägde um einen der Seitenaltäre zusammen und setzen hier ihre Körbchen nieder, in denen Osterspeisen liegen, in der Hauptsache mit Rosinen reichgespickte Kuchen, ein Stück Schinken und Salz. Der Priester spricht über sie den Segen aus. Die Speisen werden sodann mit besonderer Andacht zu Mittag gegessen, das Salz aber wird vielfach aufgehoben und muß das ganze Jahr hindurch als Heilmittel gegen Krankheit bei Menschen und Vieh dienen. Wie zu Weihnachten, so bäckt man auch zu Ostern besondere Gebäcke, die man in Sachsen Osterfladen, im Elsaß, in Oberbayern und in Böhmen Osterlaibel, in Wien Osterflecken nennt. Es sind meistens dünne, flache Kuchen, die auf das Sonnenrad anspielen. — Auch Umzüge finden zu Ostern hier und dort noch statt. In Wittichenau in Schlesien zum Beispiel setzen sich die männlichen Dorfbewohner auf festlich geschmückten Pferden von der Kirche aus in Bewegung; vor ihrem Aufbruch übergibt der Pfarrer den Teilnehmern ein Kruzifix und ein geweihtes Banner, jeder Reiter nimmt noch ein Psalmbuch mit, aus dem während des Rittes, dessen Ziel die umliegenden Dörfer sind, vorgelesen und gesungen wird ([Abb. 310]).
Märk. Provinzial-Museum, Berlin.
Abb. 292. Berliner Weihnachtspyramide.
In England haben sich wieder ganz andere Osterbräuche erhalten, wenngleich manche in den Städten bereits so gut wie ausgestorben sind. Am Ostermorgen scharen sich die jungen Burschen zusammen und umringen jedes junge Mädchen auf der Straße mit den Worten: „Lösen Sie gefälligst Ihre Schuhe ein.“ Wenn es nicht sofort einen Penny spendet, zieht man ihm die Schuhe mit Gewalt aus, so daß es ohne solche nach Hause zurückkehren muß. Am Abend oder am nächsten Morgen nehmen die Mädchen dann aber Rache, indem sie von den Männern eine Hutsteuer verlangen und, wenn ihnen diese nicht sofort gezahlt wird, die Hüte der Betreffenden unfehlbar ins Feuer wandern lassen. Eine andere Steuer wird in der Gemeinde Hungerford (Berkshire) am dritten Osterfeiertag von allen Einwohnern erhoben; die Taxe lautet für jeden Mann auf einen Penny, für jede Frau auf einen Kuß. Wenn der Morgen graut, bläst der Chor der Stadtmusikanten vom Balkon des Rathauses seine Weisen, und wenn der letzte Ton verklungen ist, eilt alles auf die Straße, jede Frau und jedes Mädchen wird geküßt, und jeder Mann muß einen Penny bezahlen; dabei werfen alle Beteiligten Nüsse, Apfelsinen und Kupfermünzen unter die Kinder. In einzelnen Orten von Lancashire, Cheshire und im nördlichen Wales wird noch der alte Brauch des „heaving“ geübt, bei dem die Männer die Frauen (und umgekehrt) hochheben und dann küssen dürfen. Am Ostermontag genießt die männliche Bevölkerung dieses Vorrecht, am Osterdienstag die weibliche, und diese macht es sich nicht weniger zunutze als jene.