Phot. J. Brocherel.
Abb. 303. Szene aus dem „Sechseläuten“ zu Zürich.
Der durch eine Strohfigur dargestellte Winter wird öffentlich verbrannt.
Bevor wir die Pfingstbräuche verlassen, über die sich noch sehr vieles sagen ließe, wollen wir noch einer ganz allein in dem Städtchen Echternach im Luxemburgischen heimischen Pfingstsitte gedenken, der Springprozession. An ihr pflegen sich für gewöhnlich weit über zehntausend „Springer und Beter“, wie sie vom Volke genannt werden, zu beteiligen; noch weit größer ist die Zahl der sich als Zuschauer Einfindenden. Nach einer Predigt auf der Sauerbrücke ordnet sich der stattliche Zug zum Einmarsch in die Stadt. Voran schreitet die Geistlichkeit unter Führung der Kirchenfürsten, gefolgt von Mönchen und Nonnen. Hieran schließen sich zunächst die in Gruppen geordneten Springer; jeder Gruppe geht eine Musikbande voran. Die Weise, die sie ertönen läßt, geht nach der bekannten Melodie: „Adam hatte sieben Söhne.“ Hierbei führen die Springenden einen Tanz auf, bei dem jeder Teilnehmer erst fünf Schritte vorwärts und dann drei Schritte rückwärts springt; in derselben Reihe Tanzende reichen sich die Hände oder verbinden sich miteinander durch Taschentücher. Da bei dem großen Gedränge des öfteren eine Stockung eintritt, so müssen die Springbewegungen häufig auf der Stelle ausgeführt werden. Etwa alle zehn Minuten tritt eine Pause ein, während deren entweder Gebete gemurmelt oder Erfrischungen eingenommen werden. Natürlich kommt der Zug unter diesen Umständen nur ganz langsam vorwärts; nach etwa anderthalb Stunden sind die Ersten der Wallfahrer bei der zur Statue des heiligen Willibrord hinaufführenden neunundsechzigstufigen Treppe angelangt. Dann beginnt aber erst das große Schauspiel für die Zuschauer. Die Stufen müssen „hinaufgetanzt“ werden, das heißt jeder Teilnehmer muß, wenn irgend möglich, immer fünf Stufen hinauf- und dann drei wieder herunterspringen. Oben in der Kirche schweigt die Musik, die Gläubigen treten zu dem Altar des heiligen Willibrord, der über dessen angeblichem Grabe errichtet ist, heran und legen ihre Opfergaben, meistens Geld, in die an der Steinfigur aufgestellten Körbe, berühren mit ihren Rosenkränzen oder sonstigen Gegenständen, die man weihen zu lassen wünscht, die Hände des Standbildes und gehen langsam durch die Tür auf der anderen Seite der Kirche wieder hinaus. Damit ist der heiligen Pflicht Genüge geleistet; die Menge löst sich sofort auf, und die Teilnehmer lagern sich erschöpft auf dem Platze oder in sonst verfügbaren Räumen. Sodann aber begeben sie sich in die Wirtshäuser und belustigen sich auf alle nur mögliche Weise, denn stets ist ein großer Jahrmarkt mit der kirchlichen Feier verbunden.
Phot. Berl. Illustrat.-Ges. m. b. H.
Abb. 304. Fastnachtsmasken aus dem Sächsischen Erzgebirge,
wie sie nach altem Brauch von Haus zu Haus ziehen.
Abb. 305. Bunte Ostereier aus dem Spreewald.