Naht die Todesstunde, dann wird der Geistliche geholt, um bei den Evangelischen dem Sterbenden das Heilige Abendmahl darzureichen, bei den Katholischen ihn mit der Letzten Ölung zu „versehen“; die Familie und auch wohl die Freunde versammeln sich hinterher in dem Sterbezimmer. Bei schwerem Todeskampf öffnet man das Fenster oder hebt einen Ziegel vom Dach ab, damit die Seele nicht „hängen bleibe“, sondern frei zum Himmel fliegen könne. In Yorkshire legt man den Sterbenden auf den Boden, damit die Seele freien Ausgang habe. — Ist der Tod eingetreten, dann wird zunächst das Fenster geöffnet, darauf wieder geschlossen und dieses selbst sowie die Spiegel im Zimmer verhängt, das Uhrpendel angehalten, die Stühle umgekehrt, alles Wasser im Hause ausgegossen und dergleichen. In manchen Gegenden ist es Sitte, ein lautes Wehklagen anzuheben. In Böhmen, teilweise auch in Schwaben stellt man neben die Leiche ein Glas Wasser, ein Handtuch und ein brennendes Licht, damit die Seele sich reinigen könne, bevor sie vor ihren himmlischen Richter tritt; in Schwaben spricht man dabei von Seelenbad. Vielfach trifft man auch auf dem Lande die Sitte an, daß der Todesfall des Hausherrn den Tieren im Stalle sowie den Bienen mitgeteilt wird; wo in England die Bienenstöcke nicht auf so förmliche Weise davon benachrichtigt werden, hebt man doch die Körbe in dem Augenblick hoch, wo man die Leiche aus dem Hause zu Grabe trägt. Die Sitte beruht auf der Anschauung, daß die Haustiere gleichsam mit zur Familie gehören und daher in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Hausvater stehen; um also dieses zu lösen und damit zu verhüten, daß der Abgeschiedene das eine oder das andere Familienmitglied nach sich ziehe, wird den Tieren der Tod eigens mitgeteilt. Aus demselben Grunde wird auch sämtliches Hausgerät, desgleichen das Getreide, das Obst, die Kartoffeln, die Mehlsäcke und dergleichen von seinem Platze bewegt, verrückt oder geschüttelt. Vielfach wird der Tote auch „ausgeläutet“ oder „heimgeläutet“.

Phot. R. Welch.

Abb. 353. Eine Hochzeitstanzmaske (Mayo, Westirland).

Hier besteht die Sitte, daß sich bei Hochzeiten Männer als Frauen verkleiden, Strohmasken und wohl auch Strohröcke anlegen und so am Tanz teilnehmen. Man wird dadurch an die Maskentänze der Naturvölker erinnert.

Der Todesfall wird auch im Dorfe bekanntgegeben, entweder durch die Angehörigen selbst oder in manchen Gegenden auch durch einen Leichenbitter oder Leichenlader; wie bei der Hochzeit sind bei diesen Ansagen noch mancherlei stehende Formeln üblich. Die Leichenansager sind durch besondere Abzeichen, wie über der Brust gekreuzte Arme, weiße Stirnbinde, umflorten Stock und Dreimaster, kenntlich gemacht. Auch in Holland sind sie, unter der Bezeichnung „Anspreker“ eine bekannte Erscheinung. Sie sind hier von Kopf bis zu Fuß schwarz gekleidet und tragen ebenfalls besondere Abzeichen: je nachdem es sich um die Mitteilung von dem Tode eines Kindes, eines Junggesellen, einer Jungfrau und so fort handelt, werden verschiedenfarbige Rosetten von ihnen angelegt. Sie gehen von Haus zu Haus und sprechen bei allen, selbst solchen, die nur in weitläufiger Verwandtschaft zu dem Verstorbenen stehen, vor, um den Tod anzuzeigen, oft genug mit Worten, die einen komischen Beigeschmack haben. So sagt der Anspreker zum Beispiel: „Ich muß euch die Grüße des Schlächters (oder Schusters und so weiter) X. überbringen, und er ist tot.“ Früher und gelegentlich noch jetzt an abgelegenen Orten begleitet den Anspreker noch der Heilebolk, dem die Pflicht obliegt, in Tränen auszubrechen, nachdem von jenem der Tod gemeldet worden ist. In Irland verbrennt man ein kleines Strohkissen, auf dem der Tote seine Seele aushauchte, auf der Spitze des nächsten Hügels, um die Nachbarschaft in Kenntnis zu setzen. An manchen Orten Englands zeigt man den Todesfall durch feierliches Läuten an; man verbindet damit auf dem Lande noch den Aberglauben, daß der Ton der Glocke die bösen Geister vertreiben soll. Für gewöhnlich wird nur eine Glocke geläutet; wenn man aber glaubt, daß mehrere Glocken von größerem Erfolg sein könnten, läßt man mehrere ertönen. Auch das Verkünden des Todes von der Kanzel herab ist hier, wie auch in Deutschland, vielfach üblich.

Abb. 354. Szene von einer Hochzeit bei den Wenden.

Verwandte bringen der Braut Butter als Geschenk.

Die Leiche wird gewaschen und in ein neues Hemd (Sterbehemd) sowie in den besten Anzug, oft das Hochzeitskleid, gesteckt und aufgebahrt, nachdem sie in katholischen Gegenden vorher noch mit Weihwasser besprengt worden ist. In Hindeloopen in Holland befinden sich in der Kirche eine ganze Reihe Bahren, eine neben der anderen aufgestellt; je nach dem Beruf des Verstorbenen wird von diesen Bahren eine bestimmte benutzt, also die eine etwa, wenn es sich um einen Schuhmacher handelt, während beim Tode eines Schneiders, Bäckers, Schmiedes und so fort je wieder eine andere Bahre in Gebrauch genommen wird. — Früher waren noch Leichenwachen Sitte, an denen sich vorzugsweise junge Mädchen beteiligten; auch jetzt begegnet man ihnen noch hier und dort. Stets aber pflegt man nachts wohl noch Kerzen bei den Toten brennen zu lassen. In England müssen es deren fünf sein, die man um die Leiche stellt; in Wales bleibt eine davon unangezündet. An anderen Orten zündet man nur drei Kerzen an, was wieder zu dem Aberglauben geführt hat, daß es Unglück bedeutet, wenn drei Kerzen in einem Zimmer brennen. Wenn in gewissen Gegenden Schottlands die Leiche aufgebahrt worden ist, zündet die älteste Frau die Totenkerze an, die von einer angeblichen Hexe oder von einer „unglücklichen Person“ herstammen muß, und schwenkt sie dreimal um die Leiche, worauf sie drei Hände voll Salz auf einen Teller häuft und diesen auf die Brust des Toten setzt; schließlich stellt sie noch drei leere Schüsseln ans Feuer. Jeder der Anwesenden verläßt nun das Zimmer, kommt dann aber rückwärtsgehend unter Aufsagung von Segensprüchen wieder herein.