Abb. 398. Sizilianischer Eselskarren,
der, wie es vielfach geschieht, mit künstlerisch ausgeführten Holzschnitzereien verziert ist.
Phot. J. Dazario.
Abb. 399. Szene von einer ländlichen Verlobung in Rußland.
Der Bräutigam bringt der Braut Brot, Salz und Mandelgebäck. Die Freunde des Hauses werden bewirtet, und hieran schließt sich ein Tanz an.
Die slawischen Völker.
Die slawischen Völker nehmen, ganz allgemein betrachtet, den Osten Europas ein, also das europäische Rußland (über 73 Prozent seiner Bevölkerung sind Slawen) mit Ausnahme der nördlichen und südlichen Gebiete, wo nichtslawische Elemente, zum Beispiel die Samojeden, Lappen, Finnen, Esten, Tawasten, Tataren, Rumänen und andere Stämme ansässig geworden sind, ferner einen beträchtlichen Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, bis über die Donau hinaus, und die sich hieran anschließenden Strecken der Balkanhalbinsel, endlich kleine Enklaven in Deutschland. Man unterscheidet sprachlich unter ihnen drei große Gruppen: die Ost-, West- und Südslawen. Zu den ersteren zählen die Bewohner des russischen Reiches, die wiederum in Großrussen oder Moskowiter (größter Teil des Reiches), Weißrussen (westliches Rußland) und Kleinrussen (von Ostungarn und Galizien an bis zum Don: Ruthenen, Huzulen) zerfallen; die zweite Gruppe umfaßt die Tschechen mit den Slowaken in Böhmen, Mähren und Nordungarn, die Polen in Galizien und Schlesien, die Kaschuben in Hinterpommern und Westpreußen, die Slowinzen am Lebasee, die Wenden oder Sorben im Spreewalde; die Südslawen endlich setzen sich aus den Serben und Kroaten — der Unterschied zwischen beiden beruht ausschließlich auf der verschiedenen Konfession — einschließlich der Bosnier und Herzegowiner, den Montenegrinern, den Slowenen und den Bulgaren der Balkanhalbinsel sowie der nördlich und westlich angrenzenden Gebiete zusammen.
Von einem einheitlichen anthropologischen Typus der Slawen kann man nicht sprechen; der Grund hierfür liegt in den vielfachen Kreuzungen zwischen den ursprünglich wohl allein im Osten ansässig gewesenen Vertretern des alpinen Typus mit den zahlreichen Völkern und Rassenelementen, die im Laufe von Jahrtausenden teils von Nordwesten nach Südosten (germanische Stämme), teils in umgekehrter Richtung (Finnen, Mongolen, Türken) Osteuropa überfluteten. Man trifft dementsprechend unter den Slawen Leute an, die germanischen Einschlag zeigen (Polen mit vorwiegend blondem Haar, blauen oder grauen Augen und heller Gesichtsfarbe), und anderseits auch wieder solche, die deutlich mittelasiatische Herkunft verraten. Im allgemeinen kann man die Behauptung aufstellen, daß der durchschnittliche Typus des Slawen mehr Annäherung nach Osten (Asien) als nach Westen (Europa) zeigt.