Bei dem sich anschließenden Totenmahl werden brennende Lichter auf die Fensterbretter und zu beiden Seiten neben die Tür gestellt, eine Zeitlang auch diese offen gelassen; außerdem wird der Schatten des Verstorbenen aufgefordert, sich am gemeinsamen Mahle zu beteiligen. Er erhält auch einen Platz an der vorderen Ecke der Tafel angewiesen, was äußerlich dadurch gekennzeichnet wird, daß eine Mütze oder ein Kopftuch (je nach dem Geschlecht) dorthin gelegt und Gefäße für Kuchen, Sauermilch, Branntwein und Haferbrot darum gestellt werden. Jeder Gast hält es für seine Pflicht, einen Teil seiner Speisen in diese Schüssel zu tun mit der Aufforderung: „Iß, Brüderchen“ oder „Iß, Gevatter“. Nach der Mahlzeit stellt man die Schüssel in einem abseits gelegenen Winkel des Feldes ins Gras und sieht nach einiger Zeit nach, ob etwas von den Speisen darin geblieben ist. Sind sie nicht vollständig verschwunden, das heißt von den Krähen und Raben nicht ganz aufgefressen worden, dann erblickt man darin ein Zeichen dafür, daß der Verstorbene die ihm vorgesetzten Speisen aus Zorn verschmäht hat. Am neunten und am vierzigsten Tage nach dem Tode sowie am Jahrestage desselben finden nochmalige feierliche Bewirtungen des Toten statt.
Phot. J. K. Inha.
Abb. 461. Finnischer Verlobungsbrauch.
Während die Braut in der Frauenecke sitzt, erscheint ihre Mutter mit den weinenden Weibern aus einer anderen Ecke, worauf alle unter Weinen den Verlobungsgesang anstimmen.
Die Basken. Die Basken oder Euskaldunak, wie sie selbst sich nennen, wohnen zu beiden Seiten der Pyrenäen am Biskayischen Meerbusen. Sie sind hinsichtlich ihrer Herkunft bislang immer noch ein rätselhaftes Volk geblieben. Die abenteuerlichsten Vermutungen sind hierüber geäußert worden, ohne daß man zu einem einwandfreien Ergebnis gekommen wäre. Nach dem augenblicklichen Stande der Forschung wird man nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß sie aus Nordafrika stammen, schon in der Vorzeit nach Spanien einwanderten, wo sie ursprünglich eine viel größere Verbreitung als heute hatten — die alten Iberer dürften als ihre Vorfahren anzusehen sein —, und infolge ihrer Isolierung auf einer früheren Kulturstufe stehen geblieben sind. Denn sie zeigen noch mancherlei Gebräuche und Gewohnheiten, die an ähnliche primitive Zustände der Vorzeit oder an solche bei wenig vorgeschrittenen Naturvölkern erinnern. Das Merkwürdigste und am wenigsten Aufgeklärte bei diesem Volke ist seine Sprache, die, wie zum Beispiel das Chinesische und einige amerikanische Sprachen, Agglutination aufweist. Die baskische Sprache steht daher unter den übrigen westeuropäischen Sprachen ganz vereinzelt da; v. der Gablentz und andere Forscher wollen Ähnlichkeit zwischen ihr und den Berbersprachen Nordafrikas herausgefunden haben.
Phot. J. K. Inha.
Abb. 462. Beschwörung bei einer finnischen Hochzeit.
Der Zeremonienmeister nimmt ein Messer zwischen die Zähne, eine brennende Fackel in die linke und ein Beil in die rechte Hand; so geht er um die Angehörigen des Bräutigams herum und schlägt mit dem Beil in den Erdboden — ein Überrest heidnischen Aberglaubens.