Auch die äußere Beschaffenheit der Basken läßt deutliche Verwandtschaft mit der nordafrikanischen Bevölkerung erkennen. Wenngleich kein einheitlicher Menschenschlag, so ist der Baske doch durch eine Anzahl besonderer Eigentümlichkeiten gekennzeichnet, wie mittlere Körpergröße, schlanke, aufgeschossene Gestalt, kurzen oder auch länglichen, an den Schläfen merkwürdig stark gewölbten Schädel, langes, schmales, von den Jochbeinen an auffallend scharf nach unten sich zuspitzendes Gesicht mit außerordentlich spitzem, leicht fliehendem Kinn, dünne gebogene Nase, die sich in die gerade aufsteigende, etwas schmale Stirn unmittelbar fortsetzt, dunkle Augen, dunkles Haar und brünette Hautfarbe. Die Untersuchung hat ergeben, daß diesem Typus der der sogenannten mittelländischen Rasse zugrunde liegt, also derjenige, dem die Bewohner von Südeuropa und Nordafrika angehören. Offenbar haben sich zu diesem noch kurzköpfige Elemente (alpiner Typus) hinzugesellt, und durch große Abgeschlossenheit unter lange Zeit sich gleichbleibenden äußeren Bedingungen hat sich in Verbindung mit Inzucht der heutige Typus der Basken entwickelt.

Die nationale Tracht ([Abb. 465]) der Basken bestand bei den Männern aus breiten schlaffen Kniehosen, schwarzen Strümpfen, weißem Hemd mit hohem, bis auf die Wangen reichendem weichen Kragen, schwarzer Jacke und runder, flacher, aus Wolle gewirkter Mütze, der Chapelak; die Frauen trugen blauen Rock mit bunter Schärpe silbergesticktes, schwarzes Mieder, das vorn über dem sichtbar bleibenden Hemd verschnürt wurde, bunte Umhängetücher und ein kleines Tuch für den Haarknoten. Bis auf die typische Mütze und die Kopftücher ist diese Tracht jetzt so ziemlich im Aussterben begriffen.

Die Basken sind vorwiegend Ackerbauer, treiben aber auch Viehzucht und etwas Schiffahrt. Ihre Sprache nimmt die Bezeichnungen für die verschiedenen Abschnitte des Jahres von der Landwirtschaft her. So heißt der November der Saatmonat (Azilla), der Juni der Gerstenmonat (Garagarilla), der Juli der Weizenmonat (Garilla edo Uzteilla), der Oktober der Einsammlungsmonat (Bildilla), der Februar der Stiermonat (Zezeilla) und so weiter. Vom Sommer leitet man die Namen für den Frühling (Udaberri = neuer Sommer) und für den Herbst (Udazkena = letzter Sommer) ab. Bei der Ausübung des Ackerbaus haben die Basken noch einige ursprüngliche Arbeitsweisen bewahrt. So benutzen sie Karren ([Abb. 476]) mit mächtigen massiven Holzscheiben als Rädern, die sich zugleich mit der fest mit ihnen zusammenhängenden runden Achse drehen; den Aufbau dieser Karren bildet ein Kasten aus Brettern oder ein Rutengeflecht, die Deichsel läuft bis nach hinten durch. Beim Kochen von Flüssigkeiten, besonders von Milch, wenden die Basken das althergebrachte Verfahren der Steinkocherei an, das heißt des Hineinwerfens von glühend gemachten Steinen in einen mit der zu kochenden Flüssigkeit gefüllten Holztrog.

Abb. 463. Siebenbürgische Zigeuner vor ihren Wagenzelten.

Die Basken sind große Freunde von Tanz, Musik und Spiel. Der Nationaltanz, eine Art Haschtanz, hat allerdings schon vielfach den neuzeitigen europäischen Tänzen weichen müssen, dagegen haben sich die alten Musikwerkzeuge, mit denen er begleitet wurde, noch immer erhalten. Das Nationalspiel der Basken ist die Pelote, ein Ballspiel, das sich bei alt und jung großer Beliebtheit erfreut, so daß, wie man sagt, bei ihm der Baske Essen und Trinken vergessen kann. Es wird vor dem Fronton gespielt, einer breiten und hohen, oben mit einem Fangnetz gekrönten Mauer; von dieser läuft ein viereckiger Spielplatz aus, der links und rechts eingezäunt, an der Zugangseite aber offen ist ([Abb. 460]). Zwei Parteien, blau und rot, spielen gegeneinander. Ein Spieler wirft mit der Chistera ([Abb. 459]), einem aus starken Weidenruten hergestellten Wurfwerkzeug in Kahnform, an dessen hinterem Ende in einem dort angebrachten Ledersack die Hand fest eingeschnürt ist, einen Ball kräftig gegen den Fronton, während ein Spieler der Gegenpartei die Aufgabe hat, ihn im Rückflug oder nach dem ersten Aufprall vom Boden aufzufangen und seinerseits gegen die Mauer zu schleudern. Das Spiel erfordert ungemeine Geschicklichkeit.

Bei den Basken besteht noch die Auffassung, daß die Frau die Untergebene des Mannes sei, was auf mancherlei Art zum Ausdruck kommt. Bei der Trauung sagt der Priester zu den Brautleuten: „Mann und Frau sind wie die beiden Hände des Menschen, jener entspricht der rechten, kräftigeren, diese der linken, schwächeren Hand.“ Nach der Trauung bekleidet der Küster die Jungvermählten mit der Stola; während er sie aber dem Manne um die Schultern hängt, legt er sie der Frau auf den Kopf zum Zeichen ihrer Unterwerfung unter die Herrschaft des Gatten. Das männliche Wochenbett kommt heutigestags unter den Basken wohl nicht mehr vor; nach der, allerdings fraglichen, Annahme verschiedener Gewährsmänner soll es aber in vergangener Zeit unter den Basken bestanden haben. Dagegen ist erwiesen das Vorrecht der ältesten Tochter vor allen Söhnen in der Erbschaft, sofern sie älter als die Söhne ist und im elterlichen Hause verbleibt. Dies ist offenbar ein Überrest des Mutterrechts früherer Zeiten.

Abb. 464. Siebenbürgisches Zigeunermädchen.

An den kirchlichen Festen finden fast immer Kinderumzüge statt, bei denen gesungen und um Almosen gebettelt wird. In der Karwoche, wo die Kirchenglocken nicht läuten dürfen, machen die Kinder Lärm mit Knarren. Am Tage vor Ostern bringen sie Wasser und Feuer in die Kirchen, lassen den priesterlichen Segen darüber aussprechen und schaffen beides dann in die elterlichen Wohnungen, damit die Häuser vor Blitzschlag und Ungewitter verschont bleiben. Mit demselben geweihten Wasser besprengt man auch das Korn auf den Feldern, um es vor allerlei Schädlichkeiten zu schützen und sein Gedeihen zu fördern. Für noch wirksamer gilt das Wasser, das man in der Johannisnacht schöpft. In der dem San-Juan-Tage (24. Juni) vorausgehenden Nacht strömen die Leute aus dem gesamten Baskenlande nach Cambos und eilen mit dem Glockenschlage zwölf auf die Brunnen zu, um sich in gierigen Zügen so viel einzupumpen, als sie nur fassen können; denn je mehr sie sich davon einverleiben, um so besser leben sie im neuen Jahre. Auch schleppen sie in Kesseln und Krügen schwere Lasten des heilkräftigen Wassers mit sich, um ihre Lieben zu Hause desselben ebenfalls teilhaftig werden zu lassen. Am Johannistage selbst segnet der Priester Blumen, meist Lilien und Weißdorn, die später an den Haustüren angebracht werden, ebenfalls zu dem Zwecke, Unheil abzuwehren.