Phot. Berl. Illustrat.-Ges. m. b. H.

Abb. 470. In einem serbischen Zigeunerdorf.

Die Musik kommt.

Phot. J. K. Inha.

Abb. 471. Finnischer Hochzeitsbrauch.

Der Braut wird das Haar gelöst.

Naht die Geburtsstunde, so löst man an den Kleidern der Kreißenden und an denen ihrer Umgebung alle Knoten. Ferner wird vor dem Zelt ein Feuer angefacht, um die bösen Geister abzuschrecken; die Weiber, denen diese Pflicht obliegt, speien dreimal in die Flamme, rufen dabei: „Komm, gute Urme, und hilf!“ und murmeln dann noch weitere Sprüche; bei den siebenbürgischen Zigeunern läßt man dieses Feuer bis zur Taufe brennen. Um die feindlich gesinnten Dämonen zu verscheuchen, ziehen die Zeltzigeuner um Mutter und Kind einen kreisförmigen Ring, innerhalb dessen Stechapfelsamen ausgestreut wird. Die Balkanzigeuner stellen zu Häupten der Mutter einen Napf mit in Honig gekochter Hirse oder Weizen auf und stecken drei Löffel in den Brei, damit sich die Urmen daran laben können; zuweilen stellen sie auch drei Stückchen Speck und drei Gläschen Schnaps bereit. Darauf müssen sich alle Leute aus dem Zelte oder der Hütte und ihrer allernächsten Nähe entfernen. Nur die Zauberfrau bleibt vor dem Zelte, in dem Mutter und Kind liegen; hier sitzt sie und murmelt Gebete bis zur Morgendämmerung. Außer ihr ist es nur äußerst selten den Menschen vergönnt, die Urmen zu sehen; so zum Beispiel ist dazu nur die siebente Tochter in einer durch keinen Knaben unterbrochenen Mädchenreihe imstande, und umgekehrt sogar nur der neunte Sohn in einer durch kein Mädchen unterbrochenen Knabenreihe. — Gegen Mitternacht nach der Geburt des Kindes erscheinen dann die drei Urmen und bestimmen das zukünftige Geschick des neuen Weltbürgers. Die erste bestimmt die Zahl der Lebensjahre des Kindes und seine dereinstige Todesart, die zweite, ob es reich oder arm, in der Ehe glücklich oder unglücklich werden soll, und die dritte endlich sucht die Wünsche ihrer Schwestern zu entkräften.