Phot. J. K. Inha.

Abb. 472. Bei den Finnen bleibt nach der Hochzeit die Mutter der Braut weinend im Hause zurück,

obwohl die Hochzeitsgesellschaft sie auffordert, sich ihr anzuschließen.

Verläßt die Wöchnerin ihr Lager, so muß sie, falls sie einen Sohn geboren hat, zwischen einem entzweigeschnittenen Hahn, wenn eine Tochter, zwischen einer entzweigeschnittenen Henne hindurchgehen, worauf das betreffende Tier von den Frauen verzehrt wird. Bei ihrem ersten Ausgang muß sie ihr Kind auf die Erde legen und dreimal darüber hinweg- und wieder zurückschreiten, damit es nicht geistersichtig werde; hierauf hebt der Vater es von der Erde auf, wobei er ihm einen roten Faden um den Hals hängt, um es dadurch öffentlich als sein eigenes anzuerkennen.

Schon frühzeitig regt sich bei den jungen Leuten die Liebe. Die Liebespoesie nimmt einen breiten Raum im Leben der Zigeuner ein. Zahlreich sind auch die Geheim- und Zaubermittel, durch die ein Verliebter die Gunst des Gegenstandes seiner Liebe zu erreichen sucht. Will ein junges Mädchen einen Mann an sich fesseln, dann sucht es zum Beispiel eine Weidenrute mit Knoten, da man diese als von Feen geschlungen ansieht, schneidet diese Knoten ab und steckt sie in den Mund, worauf es die Worte spricht: „Dein Glück esse ich, dein Glück trinke ich; dafür gebe ich dir mein Glück, du bist nun mein.“ Schließlich muß es die Knoten noch unbemerkt in das Lager der geliebten Person stecken.

Phot. J. K. Inha.

Abb. 473. Ein Widderopfer der Karelier (Vinchjavoi).

Am 27. August opfern die Karelier zu Ehren des heiligen Nikolaus einen Widder. Vor dem Gebetshause wird dem Tiere die Kehle durchschnitten und sein Blut in einer Röhre aufgefangen, die man später versiegelt.

Hat ein junger Zigeuner die Absicht, zu heiraten, so kauft er sich ein Tuch und hängt es an das Zelt seiner Auserwählten. Wenn diese es an sich nimmt, so gibt sie damit ihr Einverständnis zu verstehen. Natürlich muß auch die Zustimmung der Eltern des Mädchens eingeholt werden, was durch Darbringung von zahlreichen Geschenken erreicht wird. Die Zigeunerheirat ist nämlich ein richtiger Kauf, insofern der Bräutigam den Eltern seiner Auserwählten eine bestimmte Summe zu zahlen hat, deren Höhe sich vielfach nach der Schönheit des Mädchens richtet.