Abb. 60. Eine heilige Hütte des Yassibundes,

in der die Minseri (heiligen Bildnisse) und die Medizinen aufbewahrt werden. Sie unterscheidet sich in ihrem Aussehen von den anderen Hütten, indem ihre Wände mit verschiedenfarbigen Flecken versehen sind.

Polygamie ist unter den Schwarzen sehr verbreitet, denn Frauen sind ein Zeichen des Reichtums und stellen außerdem eine Arbeitskraft dar. Besonders große Häuptlinge leisten sich eine stattliche Anzahl Frauen, soweit ihre Mittel dies erlauben. Einehe findet man seltener. Die erste Frau genießt ein besonderes Ansehen im Haushalte und ist die Vorgesetzte der übrigen Gattinnen sowie der Kinder; falls der Mann weitere Frauen zu nehmen wünscht, muß sie ihre Zustimmung geben.

Häufig wohnen die einzelnen Frauen getrennt in besonderen Hütten. — Ehebruch kommt häufig genug vor. Denn da die jungen Leute nicht immer mit genügend Glücksgütern gesegnet sind, um sich eine Frau zu kaufen, verschaffen sie sich eine solche durch Verführung. Vielfach werden die Ehebrecherin sowie ihr Galan mit dem Tode bestraft, anderwärts nur körperlichen Züchtigungen unterworfen, unter anderem mit dem Schwanze eines Stachelrochen durchgeprügelt, an den Geschlechtsteilen durchstochen, mit einer Messerklinge gegeißelt. Die Bassari üben an dem Missetäter Strafe, indem sie ihm die Geschlechtsteile mit Steinen zerklopfen, und anderes mehr. Mit zunehmendem europäischen Einflusse sind derartige harte Strafen mehr und mehr in Abnahme gekommen. Man ahndet jetzt Ehebruch mehr mit Geld. Die Ekoi besitzen ein merkwürdiges Mittel, um sich der Treue ihrer Frauen zu versichern. Mann und Weib saugen sich gegenseitig etwas Blut aus den Handgelenken. Vergäße sich die Frau, dann würde sofort das Blut des Mannes, das in ihren Körper übergegangen ist, sich empören und so mächtig durch ihre Adern strömen, daß schleunigst der Tod einträte. — Ehescheidung ist ein ganz geläufiges Vorkommnis, besonders seit der Abschaffung der körperlichen Züchtigung tritt sie häufiger in die Erscheinung.

Phot. T. J. Alldridge.

Abb. 61. Mitglieder des Bundubundes.

Nach der Aufnahme in den Orden werden die jungen Mädchen unter Aufsicht eines älteren Mitgliedes drei Tage lang im Orte festgehalten; während dieser Zeit besuchen sie in schönem Aufputz Freunde und Bekannte, die ihnen Geschenke machen.

Bei den meisten westafrikanischen Stämmen herrscht das mutterrechtliche System vor. Die Kinder gehören der Familie der Mutter an und werden, je nachdem diese Sklavin oder Freie ist, das eine oder das andere. Nach dem Tode der Mutter werden sie von deren Angehörigen auferzogen. Sie beerben auch den Onkel mütterlicherseits. Die Würde des Häuptlings geht bei seinem Tode nicht auf den eigenen Sohn über, sondern auf einen der Brudersöhne der Mutter oder in Ermanglung solcher Erben auf den ältesten Sohn der ältesten Schwester des Verstorbenen. Als Erben gelten die Brüder und Schwestern der Mutter, und ähnliches mehr. Sobald ein Mendimann stirbt, wird sein Geist zum Gegenstand der Furcht, und man ist bestrebt, ihn zu versöhnen und am Wiederkommen zu hindern. Damit er nun nicht zurückkehre und die Hinterbliebenen belästige oder gar umbringe, übt man ein eigentümliches Abwehrverfahren: die Hinterbliebenen lassen sich für etwa einen Tag einen Fußblock anlegen ([Abb. 80]). — Wenige Tage nach dem Verscheiden nehmen die Angehörigen die „Tewe-jama“ genannte Zeremonie vor; sie kochen dem Toten für seine lange Reise ins Jenseits, denn an ein solches glauben die Mendi, Speise. Am Vorabend des dritten oder vierten Tages, je nachdem es sich um ein weibliches oder männliches Familienmitglied handelt, begeben sich die Angehörigen und Freunde zum Grabe, wo das Familienoberhaupt ungefähr folgende Ansprache an den Toten hält: „Wir kommen, damit du erfährst, daß wir dich nicht vergessen haben. Wir wollen dir etwas als Wegzehrung mitgeben, wenn du dich auf die lange Reise begibst. Darum mußt du morgen früh auf uns warten.“ Darauf wird ein Huhn mit Reis gekocht und ein Teil davon für den Toten auf das Grab gestellt, während den Rest die Teilnehmer verzehren. Männer von Bedeutung bekommen über ihr Grab noch eine Hängematte gehängt, damit ihr Geist sie für die Reise benutze.