Phot. G. H. Morbig.

Abb. 94. Ein Dinkakrieger in seiner Ausrüstung,

an der der große Schild aus Elefantenhaut bemerkenswert ist.

Phot. H. A. McMichael.

Abb. 95. Eine Kamelsänfte für die Weiber der Kawahla auf dem Marsche.

In dem oberen Teil werden die Kinder untergebracht, soweit sie schon groß genug sind, um nicht mehr steter Aufsicht zu bedürfen.

Zur Vollziehung der Regenzeremonie werden von den Bari hauptsächlich ausgehöhlte Gneisblöcke benutzt, die mit einem der unter den Negern üblichen Wetzsteine Ähnlichkeit haben. Sie werden in einer kleinen Umfriedigung aufgestellt; jeder von ihnen enthält in Aushöhlungen zwei bis acht Stücke Bergkristall oder Granit von Kegel- oder Kreisform. In der Nähe der Steine steht eine größere Anzahl irdener Töpfe; schließlich werden über die hohlen Steine noch viele Eisenstäbe von verschiedener Größe und Form gelegt ([Abb. 99]). Die Bitte um Regen wird dem Regenmacher für gewöhnlich durch das Dorfoberhaupt und einige Dorfälteste vorgetragen; dazu bringen sie ein Geschenk mit in Gestalt von Hühnern, Schafen oder Ziegen, je nach den vorhandenen Mitteln. Eines oder mehrere dieser Tiere werden getötet und gemeinsam verzehrt, wobei die Regenmacher den Löwenanteil erhalten. Nach der Mahlzeit begeben sich die Hilfsregenmacher zur Umfriedigung, entfernen die Eisenstäbe und lehnen sie gegen eine darüber ausgespannte Schnur. Darauf waschen sie die kleinen Steine und Kristalle mit Wasser aus den Töpfen und legen sie wieder in die ausgehöhlten Steine. Jeder Gehilfe hat seine eigenen Steine, die seiner besonderen Obhut unterstellt und ihm mit Namen bekannt sind; gewöhnlich sind dies Namen früherer Regenmacher. Jetzt findet sich der Hauptregenmacher ein mit einem kleinen Topf voll Fett oder Pflanzenöl. Nachdem er niedergehockt ist, gießt er sich etwas davon in die Hände, reibt die Flächen gegen einander, nimmt die Kristalle und kleinen Steine nacheinander aus ihren Löchern und reibt sie mit Öl ein, indem er singt oder etwas vor sich hin murmelt; dies ist die Bitte um Regen für die Ernte. Er ergreift auch einen der Eisenstäbe, deutet damit in die Richtung der Regenwolke, die er anziehen möchte, und bewegt die Arme auf und nieder, wodurch er die Wolke auf sich niederzuziehen vermeint. Will sie nicht kommen, dann nimmt er den Stab wie ein Krieger, stampft damit mehrmals auf den Boden, macht heftige Gebärden und stößt mit lauter Stimme seltsame Worte aus. Die Eingeborenen setzen sehr großes Vertrauen in das Können des Regenmachers während der Regenzeit. Gelingt es ihm aber nicht, es zu rechtfertigen, dann ist unter Umständen sein Leben bedroht und er kann genötigt sein, die Gegend zu verlassen. Die Regensteine werden als etwas Heiliges angesehen und vererben sich von Geschlecht zu Geschlecht. Jeder Regenmacher besitzt auch einen geweihten Speer, der in einer besonderen Hütte aufbewahrt, aber nur herausgenommen wird, wenn ein Bündnis geschlossen werden soll. Bevor er wieder in sein Heim zurückgeführt wird, muß ein Opfer dargebracht werden. — Bei den Nuba Kordofans, die ähnliche Maßnahmen zur Erzeugung von Regen kennen, wird dieser Speer aus seinem Aufbewahrungsort herausgenommen, um das Tier zu töten, das bei der Feierlichkeit geopfert werden soll.