Er trägt eine Kopfbedeckung aus Kaurimuscheln und als weiteres Zeichen seiner Würde einen Wedel aus Büffelhaaren. Als wohlhabender Mann sitzt er außerdem auf einem Leopardenfell.

Am unteren Kongo werden den Fetischen regelmäßig Opfer dargebracht; indessen darf man nicht annehmen, daß diese etwa eine Art Anbetung bedeuten, vielmehr liegt solchem Opfer einfach der Gedanke zugrunde, daß es die Macht in dem Fetischbildnis oder in dem Bündel der Zaubermittel auf irgendeine Weise erneuere, den Fetisch gleichsam auffrische und ihn befähige, sein Amt als Beschützer seines Besitzers, als Strafvollstrecker an dessen Feinden und als Glückspender wirksamer auszuüben. Das Opfer soll auch einen etwa grollenden Fetisch besänftigen, damit er sich für seinen Besitzer aufs neue Mühe gebe. Es besteht darin, daß ein Huhn oder eine Ziege getötet und das Blut über den Fetisch oder das Bündel verspritzt wird; manchmal schneidet man auch einem Huhn oder einem Frosch die Zehe durch und läßt das hervorquellende Blut über den Fetisch tropfen. Soll dem Fetisch seine volle Kraft erhalten bleiben, dann ist es nötig, ihm regelmäßig Opfer darzubringen, das heißt, immer am Neumond oder an bestimmten Markttagen; eine je größere Gefälligkeit man von ihm erwartet, um so wertvoller muß die Gabe ausfallen. Die Stunde des Opfers pflegt der Sonnenuntergang zu sein; der Opfernde muß sein Gesicht der Sonne zukehren. — Schweine werden niemals als Opfer verwendet, weil sie für unreine Tiere gehalten zu werden scheinen.

Phot. Joseph Clark.

Abb. 128. Ein Zauberdoktor vom Ntumbasee.

Seine besonderen Merkmale sind Häute, Glocken, Federn und Bemalung.

Will ein Fetisch trotz der regelmäßigen Opfer nicht mehr richtig arbeiten, mit anderen Worten, hat sein Besitzer nur Mißerfolg in den verschiedensten Lebenslagen, dann bringt dieser ihn dem Zauberdoktor, von dem er ihn kaufte, zurück und trägt ihm auf, ihm neue Kraft zu verleihen. Die Maßnahmen, die der Medizinmann in solchem Fall vornimmt, sind verschieden; jeder hat sein besonderes Verfahren. Zumeist wird aber der angeblich unbrauchbar gewordene Fetisch, um ihn neu zu beleben, in folgender Weise behandelt: er wird geschlagen und es wird dabei auf einer Pfeife gepfiffen, um ihn aufzurütteln, oder es wird um ihn herum Schießpulver zur Explosion gebracht und er selbst in den Rauch gehalten.

Theorie und Praxis des Medizinmannes laufen darauf hinaus, entweder einen Menschen durch den Fetisch zu verfluchen, oder den Fetisch zu beruhigen und dadurch einen Fluch hinwegzunehmen. Glaubt jemand, ein bekannter oder unbekannter Feind habe ihm ein Leid zugefügt, und wünscht er, daß diese Person von Krankheit oder Tod betroffen werde, dann geht er zu einem Medizinmann und sucht ihn durch Bezahlung dafür zu gewinnen, daß er jenen Feind durch den Fetisch verfluchen lasse. Der Fetisch wird zu diesem Zweck mit einem Stocke geschlagen, wobei er den Auftrag erhält, dies oder jenes zu tun; darauf wird er dreimal in die Luft gehoben, ebenso oft in die Nähe des Erdbodens gesenkt und schließlich vor dem feindlichen Hause aufgehängt. Man nimmt dann an, daß der in dem Fetisch wohnende Geist nach dem betreffenden Orte hinfliege, um die ihm zuteil gewordenen Befehle auszuführen. Durch das nämliche einfache Verfahren kann jeder Laie seinen Feind verfluchen. Daher kann sich auch jeder, der keinen eigenen Fetisch besitzt, der mächtig genug ist, seinen Haß zu befriedigen, sich aber keine großen Unkosten durch Neubeschaffung eines solchen oder durch Inanspruchnahme eines Medizinmannes machen will, einen starken Fetisch zu einem geringen Preise borgen und durch ihn seinen Feind verfluchen. Der Name des Betreffenden braucht dabei gar nicht ausgesprochen zu werden; es genügt schon, zu sagen: „Der Dieb, der meine Sache stahl,“ oder: „Mein Feind, der mir Unglück sandte,“ oder: „Derjenige, der mich behext hat.“

Phot. C. J. Dodds.