Abb. 131. Reichtatauierte Bopoto vom nördlichen Kongo mit spitz gefeilten Zähnen.

Etwa im Alter von fünfzehn Jahren werden den Knaben und Mädchen die Zähne spitz gefeilt, es geschieht durch eine eigens dazu bestellte Person, die sich dabei eines Meißels bedient.

Phot. A. Billington.

Abb. 132. Ein Tschumbirimann mit seinem Fetisch.

Um diesen zu kräftigen, speit sein Besitzer gekaute Kolanuß über ihn aus. Mit der Zeit erhält dadurch der Fetisch eine rundliche Form, ein Zeichen, daß sein Meister ihn gut hält, wofür natürlich auf seinen Beistand gerechnet wird.

Gleich nach der Geburt wird ein frisch gebrochener Palmzweig über der Tür des Hauses befestigt, um das Kind vor einer doppelten Gefahr zu schützen. Sollte am Orte plötzlich ein Kampf ausbrechen, dann würde es kein Mensch, auch nicht der Feind, wagen, ein Haus zu belästigen, das durch einen solchen Palmzweig gekennzeichnet ist. Ferner verbietet der Zweig jedem, der das Tier ißt, das die Familie des Neugeborenen mit einem Tabu belegt hat, das Haus der Wöchnerin zu betreten; täte er es doch, so würde das Kind krank werden oder sogar sterben. Am Ende des ersten Monats wird der Palmwedel entfernt, weil man das Kind dann für kräftig genug hält, um von bösen Einflüssen unberührt zu bleiben. — Sollte eine Frau während ihrer Schwangerschaft von fließendem Wasser, von Schlangen oder Wassergeistern geträumt haben, dann fürchtet sie, das Kind könnte eine Wiedergeburt von einem Wassergeist sein. Daher wird das Neugeborene sofort in ein Tuch gewickelt, und niemand mit Ausnahme der Medizinfrau erfährt sein Geschlecht, bis es einen Namen erhalten hat. Einige Tage nach der Geburt eines solchen Kindes leitet die Medizinfrau einen Tanz ein, der die ganze Nacht hindurch anhält und Anlaß zu vielem Essen und Trinken gibt. Eine Laube aus Palmwedeln wird gebaut, in der Vater, Mutter und Kind Platz nehmen; alle Teller und Schüsseln, die bei der Entbindung gebraucht wurden, werden in der Nähe dieser Hütte aufgestellt. Bei Tagesanbruch nun taucht der „Doktor“ in einen Teller mit Palmwein einige Blätter, besprengt Eltern und Kind damit und fragt die Versammelten dreimal, ob sie den Namen des Kindes wissen; diese antworten mit „Nein, wir kennen seinen Namen nicht“. Darauf ruft der Doktor laut: „Er lautet Lombo.“ Die Leute machen sofort einen Heidenlärm, indem sie sich mit der flachen Hand auf den Mund schlagen. Sie wissen sofort, wenn sie diesen Namen hören, daß das Kind ein Mädchen ist; denn wäre es ein Knabe, so würde der Zauberer es Etoko genannt haben. Sie erkennen ferner an dem Namen, daß die schwangere Mutter von fließendem Wasser, Schlangen oder Wassergeistern geträumt hat. Die Geister bewohnen die Flüsse, und die Schlangen hausen zwischen Steinen in der Nähe von Wasserläufen; daher kommt es auf dasselbe hinaus, ob man geradezu von den Geistern oder ob man von Wasser und Schlangen träumt. Der Doktor erhält als Gebühr für seine Bemühungen ein Huhn, fünfzehn Perlschnüre und alle Gerätschaften in der Nähe der Hütte. Alle Mädchen, die Lombo, und alle Knaben, die Etoko genannt wurden, gelten als wiedergeborene Wassergeister und stehen in dem Ruf, nicht nur Glück verleihen, sondern auch Unglück verhängen zu können, weswegen sie von ihren Nachbarn mit großer Ehrerbietung behandelt werden und viele Geschenke von ihnen erhalten. Diese werden ihnen gemacht, um sie dem Spender geneigt zu stimmen. Bald merken aber die Kleinen ihren vermeintlichen großen Einfluß, unter anderem auch daran, daß Verwandte und Nachbarn sich scheuen, ihnen eine Forderung abzuschlagen, und fallen ihrer Umgebung sehr lästig. Man glaubt allgemein am Kongo, daß das einzig Neue an einem Kinde sein äußerer Körper sei, daß dagegen sein Geist oder seine Seele etwas Altes vorstelle und schon entweder in einer verstorbenen Person geweilt habe oder auch einer noch lebenden oder einem Wassergeist angehöre. Zweierlei hat zu solchem Aberglauben geführt: einmal der Umstand, daß ein Kind frühzeitig von fremdartigen Dingen spricht, die seine Mutter es nicht gelehrt haben kann, und zum anderen, daß es irgendeinem Vorfahren oder einem lebenden Verwandten ähnlich sieht. Im letzteren Falle ist dies für die betreffende Person keineswegs erfreulich, denn man glaubt dann, daß diese bald sterben werde. Darum ist auch niemand, dem man sagt, ein Kind habe Ähnlichkeit mit ihm, angenehm davon berührt. Ebensowenig darf man sagen, ein Kind sei fett, denn dann könnte die Vermutung aufsteigen, man wolle es „im Geiste“ verzehren, was seinen baldigen Tod zur weiteren Folge haben würde; auch ein schönes Kind darf man es nicht nennen, denn dann würde der böse Geist (Ndoki) es hören und das Kind wegnehmen, dieses also ebenfalls sterben. Dagegen darf man es, ohne Anstoß zu erregen, als stark bezeichnen. Eltern zählen ihre Kinder niemals, aus Furcht, der böse Geist könnte sie hören und ihnen einige durch den Tod entreißen.

Nach einer Zeichnung von Frank Longland.

Abb. 133. Eine Fetischtrommel für die Jagd (unterer Kongo).