Phot. George Wharton James.

Abb. 176. Ein Hopimädchen, kenntlich an den runden Haarwülsten,

den Abzeichen der Jungfräulichkeit, zu beiden Seiten des Kopfes, mit ihrer Mutter, die als verheiratete Frau das Kopfhaar in langen Flechten trägt.

Die Hopi führen einen besonders interessanten Tanz auf, den Schlangentanz. Er findet im August statt und dauert jedesmal neun Tage; die Hauptstätte dafür ist Walpi ([Abb. 173] und [186]). Seine Teilnehmer sind Mitglieder der Brüderschaften der Schlange und der Antilope, die offenbar aus früheren Familientclans hervorgegangen sind und sich zu diesen umfangreichen Gemeinschaften entwickelt haben. Die Priester werden in den Kiwas oder heiligen Kammern zu der ihnen zufallenden Arbeit geweiht; es sind dies Räume, die aus dem Sandsteinfelsen herausgehauen wurden und nur von oben her, mit Hilfe einer Falltür oder Leiter ([Abb. 187]), Zutritt gestatten. Adlerfedern, Wiesel- und Stinktierfelle schmücken die oberste Sprosse der Leiter. Man schafft bunten Sand in die Kiwas, der, ähnlich wie bei den Navajo, in einem kunstvollen Mosaik von überlieferten Mustern und religiöser Bedeutung zu Altären und Bildnissen verarbeitet wird ([Abb. 189]). Um die derart errichteten Altäre werden heilige Abzeichen und Fetische aufgestellt. Ferner wird ein Zaubertrank aus Kräutern, Honig und Kornblütenstaub zurechtgebraut und eine geweihte Pfeife mit großer Feierlichkeit nach den sechs Himmelsrichtungen zu geraucht. Die Hopi zählen deren nämlich sechs: Nordwesten, Südwesten, Südosten, Nordosten, Zenith und Nadir; jeder dieser Richtungen ist eine besondere Farbe und Gottheit zugeteilt. Die Festlichkeiten ([Abb. 190] und [191]) werden mit der Jagd auf Schlangen eingeleitet. Bei ihrem Beginn treten die Schlangenpriester, nur mit einem Lendenschurz und Mokassins bekleidet, mit aufgelöstem Kopfhaar hervor; sie sind mit einem Schlangenbüschel ([Abb. 166]), das aus einer oder zwei Adlerfedern an einem Griffe besteht, einem langen Stock zum Graben oder einer Hacke und einem Lederbeutel ausgerüstet. Jede Schlange, ausgenommen Wasserschlangen, wird von ihnen aufgestöbert. Treffen sie auf eine giftige, dann fahren sie mit dem Schlangenbüschel über sie hin; dies scheint eine Art hypnotischer Wirkung auf das Tier auszuüben, denn es verhält sich daraufhin ruhig. Nun ergreifen sie mit der einen Hand die Schlange beim Genick, oder, falls dies nicht möglich ist, beim Schwanz, lassen die andere Hand rasch bis zum Halse gleiten und stecken sie in den Beutel. Sind die Beutel gefüllt, dann bringen die Priester sie nach der Kiwa, wo geschickte Hände die Schlangen in große irdene Gefäße legen. Hier verbleiben sie für den Rest der Festtage; sie werden von den Priestern in einem heiligen Wasser gebadet, in heiligem Maismehl gerollt und zusammen mit den Fetischen in dem Sandmosaik des Altars gewälzt. Eine große Rolle spielen bei den Feierlichkeiten noch die Bahos oder Gebetstäbchen. Es sind dies lebhaft gefärbte, befiederte Stäbchen oder Brettchen von verschiedener Länge (wenige Zentimeter bis zu einem halben Meter, je nach ihrer Aufgabe), die man allenthalben, vielfach in Gruppen zusammengestellt, bald in der Nähe der Dörfer, bald auf freiem Felde, in Felsspalten oder im Triebsande antrifft; die Bahos sind von großer Bedeutung im Leben der Pueblos. Am häufigsten trifft man sie in nächster Nähe der Niederlassungen an, wo sie auf einem bis zu etwa einem Meter hohen Aufbau, einer Art Altar, neben Opfern der üblichen Art, darunter Flußgeröll, absonderlich geformte Steinknollen, Bruchstücke versteinerten Holzes sowie abgenutzte und zerschlagene Steingeräte, liegen. In weiterer Entfernung von den Dörfern finden sich die Bahos in Felsnischen aufgestellt. Die Bahos sind, wie gesagt, aus bestimmten Holzarten hergestellte Stäbchen oder Brettchen, die man mit bunten Farben anmalt und mit gewissen Kräutern, Vogelfedern, Baumwolle und mit einem mit Mehl oder Honig zur Nahrung des Baho angefüllten Maisblattsäckchen besteckt. Die Anfertigung geht unter bestimmten Förmlichkeiten (Rauchen vor und nach der Herstellung, Sprechen von Gebeten) vor sich. Diese Gebetstäbchen sollen eine Vereinigung von Symbolen darstellen, deren Deutung im einzelnen vielfach unsicher ist, und, nachdem sie geweiht sind, vermittelnd zwischen Gläubigen und Göttern wirken. Das Wesen des Baho ist einmal eine Bekräftigung oder Verkörperung des mündlichen Gebets, weiter aber auch ein symbolisches Gebet und schließlich noch eine Huldigung für die Götter beziehungsweise ein Opfer für sie. Oft werden zwei Bahos aneinander gebunden, sie sind dann das Sinnbild von Mann und Frau.

Während des Schlangentanzes der Hopiindianer nun werden solche Gebetstöcke auf dem Altar aufgestellt und hierauf während der ganzen neun Tage beständig Gebete gesprochen und andere feierliche Handlungen vorgenommen. Priester und Schlangen leben Tag und Nacht in der Kiwa zusammen. Am sechsten Tage wird in der Kiwa der Antilopengemeinde ein Mysterium über den Ursprung der Schlangenbrüderschaft aufgeführt. Zu diesem Zwecke werden ein junger Mann der Schlangen- und eine junge Frau der Antilopenbrüderschaft auserwählt und besonders ausgeputzt; der letzteren wird ein geweihtes Kornabzeichen in die Hand gegeben. Beide stellen sich vor dem Altar auf. Der Antilopenhäuptling eröffnet die feierliche Handlung mit einem Gebet, in dem er um reichlichen Regen für die Saat und um eine gute Ernte fleht. Hierauf werden sechzehn überlieferte Gesänge vorgetragen, die zum Thema die Legende von der Entstehung des Schlangenclans haben. Dieser zufolge ging vorzeiten eines Tages ein Hopijüngling mit Namen Tiyo bis an den Rand des Grand Cañon und sah dort die brausenden Gewässer des großen Koloradoflusses. Er baute sich eine Arche und fuhr den Fluß hinab, bis er zum Salzsee kam und in diesem auf einer Insel landete. Hier begegnete ihm die Spinnenfrau (die gleichzeitig auch die Erdgöttin ist); sie war sehr freundlich zu ihm und führte ihn auf einer Regenbogenbrücke über den See in ein anderes Land und hier wieder in eine Schlangenkiwa. Dort hingen Schlangenhäute an der Wand, und die Menschen waren ganz ebenso wie Tiyo selbst Rothäute. Als er dann aber aufgefordert wurde, sich umzusehen, da waren diese Menschen auf einmal mit den Schlangenhäuten angetan und glichen Schlangen. Die Spinnenfrau war unserem Helden nun behilflich, diesen Schlangen ein Mädchen namens Teuamana als Braut für ihn abzugewinnen und beiden die Heimkehr zu erleichtern. Aber erst nach vielen Abenteuern kam das Paar wohlbehalten in der Heimat des Hopijünglings an. Diesem Paar nun ist der Schlangenclan der Hopi entsprungen, und darum können die Leute ohne Furcht mit den wilden Schlangen als mit ihren Brüdern umgehen und sie dazu bewegen, ihre Gebete um Regen in die Geisterwelt zu tragen.

Phot. Dr. N. Leon.

Abb. 177. Zapotekenfrau.

Die Zapoteken bildeten vor der Zeit des Kolumbus ein mächtiges Volk von hoher Kultur; heutzutage kommen sie noch ziemlich zahlreich in Oaxaca vor. Beachtenswert sind die mit den Haaren verflochtenen Stoffbänder, die den Kopfputz der Frau bilden.