Phot. George Wharton James.
Abb. 178. Verteilung von Opfergaben an das Volk zu Acoma (Neumexiko).
Am Stephanstage bringen die christianisierten Indianer von Acoma ihren Schutzheiligen allerlei Gaben dar, wie zum Beispiel Pfirsiche, Melonen, Getreidekörner, Chilipfeffer, Brot. Im Lauf des Tages werden diese Gaben nach und nach unter die versammelte Menge verteilt.
Zahlreiche andere Förmlichkeiten werden von den verschiedensten Indianerstämmen vorgenommen, um ihren Feldern Fruchtbarkeit zu verschaffen. Für gewöhnlich aber sind es Maskentänze, mit denen sie diesen Zweck verfolgen. Die Irokesen führen solche im Januar als sogenannte Neujahrstänze auf. Die Masken ([Abb. 193]), die sie dabei tragen, sind meistens aus Holz angefertigt und sollen bisweilen schon zwanzig bis hundert Jahre in Gebrauch sein. Sie verlangen Tabak als Opfergabe und sind böse, wenn nicht mit ihnen getanzt wird. Sie gleichen menschlichen Gesichtern mit weitgeöffnetem, breitem oder trichterförmigem Munde, sind meistens aus Holz angefertigt und tragen eine Perücke aus Haaren vom Pferdeschwanz, einen Streifen Büffelhaut, ein Geflecht von Maiskolbenhülsen und anderes derart. Ohne Zweifel sollen sie Vegetationsdämonen vorstellen. Die mit ihnen bekleideten Tänzer stecken in Anzügen aus zerrissenen Kleidern oder Maishülsen und haben darunter allerlei umfangreiche Gegenstände angebracht, so daß sie Krüppeln oder Mißgestalteten ähnlich sehen; sie tragen ferner eine Rassel und Keulen in den Händen. Ein derartiger Maskentanz wird von einem Augenzeugen folgendermaßen geschildert: Die Tänzer erschienen vor dem Beratungshause, wo sich die Männer versammelt hatten, und schlugen mit ihren Rasseln und Knütteln unter seltsam grunzenden Ausrufen an die Wände des Hauses. Die Schläge wurden immer heftiger, der Lärm immer ohrenbetäubender. Plötzlich flog die Tür auf und die Tänzer erschienen; sie krochen aber auf allen vieren herein, wanden sich dabei wie Krüppel und schüttelten ihre Rasseln und Stöcke über den Boden hin. Erst in der Mitte des Raumes richteten sie sich auf. Der Tanz dauerte nur kurze Zeit, worauf die Tänzer nach ihrem Gefallen im Beratungshause umhergingen und durch ihre Masken die Frauen anstierten und den Kindern Furcht einflößten. Gelegentlich rief der Leiter der Festlichkeit diesen und jenen von ihnen herbei, gab ihnen etwas Tabak, nachdem er solchen schon vor Beginn des Tanzes an alle Teilnehmer wohl als Opfergabe verteilt hatte, und forderte sie auf, noch auf eine bestimmte Art zu tanzen, verschiedene Tiere nachzuahmen oder auch Schlittschuhläufer, Lokomotiven und dergleichen. Dabei kam es zu ziemlich platten und schlüpfrigen Spässen.
Phot. George Wharton James.
Abb. 179. Johannistag bei den Taos-Pueblos (Neumexiko),
der durch Umzüge festlich begangen wird.
Eine eigenartige Regenzeremonie ([Abb. 194]) kennen die Zuñi, die von einer besonderen Priestergenossenschaft, den zehn Koy-e-á-ma-shi, um die Sommersonnenwende in der Gestalt von Dämonen, zum Teil mit tierähnlichen Masken, ausgeführt wird. Sie stellen sich dabei in einer Reihe auf, wobei sie die Worte Du-mi-chim-chi, Du-mi-chim-chi-a-a singen, und bewegen sich halb gehend, halb trabend unter den Dachtraufen der Häuser hin durch alle Gassen und um die Außenmauern des Dorfes herum. Jeder läßt dabei seine Hände auf den Hüften seines Vordermannes ruhen, der Führer des Zuges hat die seinigen auf die Knie gestützt; die Leute gehen also leicht nach vorn gebeugt und sind, abgesehen von einem groben und rauhen dunkelblauen Tuch um die Lenden, nackt. Während dieser drollige Zug sich unter den vorspringenden Dächern der Häuser fortbewegt, stehen oben die Frauen mit Krügen voll Wasser, das teilweise nicht gerade von reinster Beschaffenheit ist, und gießen es auf die Köpfe und Leiber der Männer aus. Bisweilen wird vor Ankunft des Zuges, während die Frauen auf ihn warten, mit der Hand ein wenig Wasser aus dem Kruge geschöpft und ausgeschüttet, nach der Annahme von Fewkes, dem wir diese Schilderung verdanken, wohl eine Art Opfergabe. Die Mitglieder der Prozession suchen auf jede Weise möglichst naß zu werden und scheinen um so befriedigter zu sein, je mehr sie bei der Begießung eingeweicht werden. Während des ganzen Vorgangs werden nur die oben wiedergegebenen Worte wiederholt. Es handelt sich hierbei offenbar um Vegetationsdämonen, die die Feldfrüchte vertreten und an deren Stelle das befruchtende Naß empfangen. Die Zuñipriester der Koy-e-á-ma-shi beteiligen sich auch an den heiligen Tänzen, den Korkokshitänzen, die gleichfalls den Zweck verfolgen, Regen und gute Ernte zu erzielen. Sie betreten zusammen mit den Koko, den Haupttänzern, das Dorf und treiben allerlei Späße meist schlüpfriger Natur, die unter den Zuschauern sichtlich großes Vergnügen hervorrufen. Obgleich diese unanständigen Vorführungen mit dem eigentlichen Zweck der Feierlichkeit nichts zu tun haben, so geht ihnen sicherlich eine tiefere Bedeutung nicht ab; die beischlafähnlichen Bewegungen, die dabei meistens vollführt werden, sollen die Befruchtung andeuten. Auch die Moki, ein anderer Pueblostamm, kennen ähnliche religiöse Tänze zum Gedeihen des Pflanzenwuchses: die Anakatschina, bei denen die Ausführenden maskiert auftreten. Einer dieser Tänzer, der den Vegetationsdämon Kokopeli darstellt, ist mit einem ungeheuren Phallus und einem vogelartigen Schnabel ausgestattet.