Phot. George Wharton James.

Abb. 190. Szene aus dem Schlangentanz der Hopi.

Er neigt sich dem Ende zu. Die „Sammler“ mit Schlangenbündeln in den Händen sind im Begriff, sich zum Tanzfelsen zu begeben. Die Zuschauer bestehen aus Navajos und Weißen.

Die Indianer behandeln ihre Kinder im allgemeinen freundlich, teils weil sie an sich recht gutmütig zu sein pflegen, teils mit Überlegung, um zu verhüten, daß das Gemüt der zukünftigen Krieger eingeschüchtert, ihre Willenskraft gebrochen werde. Daher sind die Indianerkinder sehr frühzeitig selbständig, mutwillig und ungehorsam gegen ihre Eltern. Wie unsere Kinder treiben auch sie Spiele. Die Mädchen mögen Puppen gern — schon in den vorgeschichtlichen Mounds hat man solche gefunden —, die sie wie unsere Mädchen versorgen und in Wiegen schaukeln; die Knaben spielen mit Bällen und Kreiseln, Pfeil und Bogen, handhaben die Schleuder und so fort. Es reizt sie wie alle Kinder, die Hantierungen der Erwachsenen nachzuahmen; vielfach werden sie zu solcher Beschäftigung auch schon frühzeitig von Vater und Mutter angehalten, die Mädchen zum Kochen, Feueranzünden, zum Besorgen von Zelt oder Wigwam, die Knaben zum Gebrauch der Waffen, zum Jagen und Reiten — bei den Krähenindianern wird ihnen dieses, wie Irving sah, schon im dritten Lebensjahre beigebracht —, zur Verfolgung von Fährten und zum Viehhüten. Auch Bewegungspiele im Freien sind sehr beliebt. Bei den Choctaw war früher ein gemeinsames Spiel der Männer und Knaben sehr in Gebrauch, mit verbundenen Augen durch einen breiten Fluß zu schwimmen und an einem bestimmten Ziel zu landen, oder in Felle und Decken eingewickelt einen Hügel hinabzurollen; wer zuerst am festgesetzten Mal anlangte, war Sieger. Eines der Lieblingspiele der Omahakinder besteht darin, daß sie sich, etwa zehn bis zwanzig Kinder hintereinander, in einer Reihe aufstellen, die Knaben unter acht Jahren nackend bis auf eine Schnur, die um ihren geschmeidigen kleinen Körper gebunden ist, die Mädchen mit einem kurzen Rock angetan, und daß nun jedes Kind den Gürtel des vor ihm stehenden erfaßt und alle watschelnd im Gänsemarsch davontraben, im Takt eines im Kauderwelsch gesungenen Liedes. Während des Zuges, der um Bäume herum- und zwischen Zelten hindurchführt, wird allerlei kleiner Unfug verübt. So passen sie zum Beispiel die Gelegenheit ab, einer alten Frau, die gerade mit Maisstampfen beschäftigt ist, eine Rispe fortzureißen; versucht diese nun der Kinder habhaft zu werden und sie zu bestrafen, dann rennen sie auseinander, um Deckung in irgendeinem Versteck zu finden. Ein unter den Tschippewäindianern sehr beliebtes Spiel ist ein Schlagball, wobei sie aber nicht mit einem Scheit Holz, sondern mit einem aus ledernen Riemen geflochtenen Netz von der doppelten Größe des Balles den im vollen Lauf befindlichen Ball auffangen und über die Köpfe der Spielenden zurückschleudern; der Gegner hat dabei die Aufgabe, dem Ball möglichst schnell eine andere Richtung zu geben. Manchmal bilden die Kinder auch einen Kreis um das Herdfeuer in der Hütte, und Großvater erzählt ihnen dann Geschichten aus alter Zeit oder singt ihnen Lieder vor, zu denen sie tanzen.

Phot. George Wharton James.

Abb. 191. Szene aus dem Schlangentanz der Hopi.

Der vorderste Mann trägt eine Schlange im Munde und hält die Augen geschlossen; sein Nachbar führt ihn, indem er ihm die Hand um den Nacken legt. Der hinter beiden Schreitende ist der Schlangensammler mit der Schlangenpeitsche aus Adlerfedern. Die nächste Gruppe ist ebenso zusammengesetzt.

Die angehenden Jünglinge der Indianer sind oder waren wenigstens früher Mutproben unterworfen, wenn sie in den Kreis der Krieger aufgenommen werden wollten; zu diesem Zweck hatten sie entweder strenge Entbehrungen, selbst Martern zu ertragen (mußten sich mit Ruten oder Dornen, ohne einen Seufzer auszustoßen, peitschen lassen, längere Zeit fasten, viel umherstreifen, ohne sich ausruhen zu dürfen, sich dem Sonnenbrand oder der bitteren Kälte aussetzen) oder sie mußten ihre Gewandtheit und Ausdauer im Bändigen junger Füllen, im Pfeilschießen und Schleudern darlegen. Bestanden sie diese Mutproben, dann wurden sie öffentlich zu Kriegern erklärt. Meist waren damit noch andere feierliche Bräuche verbunden; so mußten die Novizen die ganze Nacht hindurch Tänze aufführen, die ihnen von älteren Männern vorher beigebracht worden waren. Natürlich pflegte ein Mahl die Feierlichkeit zu beschließen. Wie schwer es den jungen Männern gemacht wurde, in den Stand der Krieger Aufnahme zu finden, dafür hier einige Beispiele. Besonders grauenerregend waren die Quälereien bei den Mandan. Nachdem der Jüngling vier Tage lang gefastet und die Nächte schlaflos zugebracht hatte, stießen ihm zwei als Masken verkleidete Männer ein spitzes Messer mit ausgezackter Klinge an verschiedenen Stellen des Körpers ins Fleisch und schoben spitze Holzpflöcke von der Dicke eines Fingers in die Wunde. An diese Pflöcke wurden dann Stricke befestigt und an ihnen der Gemarterte, der überdies noch durch Anhängen von Medizinbeuteln, eines Schildes und mehrerer Büffelköpfe beschwert ward, so weit in die Höhe gezogen, daß er die Erde nicht mit den Füßen berühren konnte. Nun drehte man den Aufgehißten um sich selbst, anfänglich langsam, dann immer schneller, bis er das Bewußtsein verlor. Nach fünfzehn bis zwanzig Minuten nahm man ihn herab und entfernte einen Teil der Pflöcke aus Brust und Schultern, während man andere im Körper stecken ließ. Damit waren die Martern aber noch nicht erschöpft. Zunächst wurde dem Jüngling zu Ehren des großen Geistes der kleine Finger, manchmal auch noch der Zeigefinger abgehackt, und dann schleppte man ihn ohne Schonung in wildem Lauf um die Medizinhütte herum, wobei er noch alle obengenannten Anhängsel mit sich führen mußte; endlich riß man ihm diese nebst den Pflöcken ab. Sobald das Bewußtsein wiedergekehrt war, erhob sich der Unglückliche und kroch nach seinem Wigwam zurück, wo ihm seine Wunden verbunden wurden. Bei den Scheyennen war die Folter kaum geringer. Dem Knaben wurden ebenfalls Einschnitte unter die Haut gemacht; durch diese zog man Riemen, mit denen das Opfer an einen Pfosten außerhalb des Dorfes gebunden wurde. Hier überließ man es seinem Schicksal. Seine Aufgabe bestand nun darin, sich von den Riemen zu befreien, die unter der Haut durchgezogen waren. Die meisten Knaben harrten einige Tage aus, bis infolge der Eiterung die Haut so weit gelockert war, daß die Hautbrücken mit Leichtigkeit durchrissen. Wer aber besonders mutig war, ergriff entschlossen mit beiden Händen die Riemen und führte sägende Bewegungen aus, bis er sich nach Verlauf einiger Stunden befreit hatte. Ein Knabe, der sich seiner Fesseln auf diese Weise entledigt hatte, erntete das Lob aller Männer und wurde als mutmaßlicher späterer Anführer auf dem Kriegspfade angesehen. Sobald ein Knabe losgekommen war, wurde er unter großer Ehrenbezeigung in das Lager zurückbegleitet und hier mit aller Sorgfalt gepflegt. Solange er an der Stange befestigt gewesen war, hatte er in der Hitze großen Durst ertragen müssen; die Frauen kamen mit ihren Wasserkannen wohl ganz in seine Nähe, aber keine bot ihm Wasser an, um seinen rasenden Durst zu löschen. Allerdings stand es ihm völlig frei, sich Wasser zu fordern, und ebenso, sich die Riemen durchschneiden zu lassen. Man hätte ihm willfahrt; aber dann hätte er die Folgen seines feigen Verhaltens auf sich nehmen müssen: er wäre nicht für einen Mann, sondern für eine Squaw (Weib) angesehen worden, hätte Frauenarbeit verrichten und Frauenkleider tragen müssen; anderseits hätte er keine Waffen tragen, nicht jagen, nicht in den Krieg ziehen dürfen; eine weitere Folge wäre gewesen, daß es jedes Mädchen abgelehnt hätte, einen solchen Weichling zum Manne zu nehmen. Diese entehrenden Folgen genügten fast immer, die jungen Leute die grausame Marter mit spartanischer Seelengröße ertragen zu lassen. Townshend schätzte seinerzeit, vor etwa vierzig Jahren, die Zahl dieser männlichen Squaws auf kaum mehr als zwei bis drei innerhalb des ganzen Stammes.