Phot. George Wharton James.

Abb. 194. Regentanz der Zuni-Indianer, bei dem sie Masken tragen.

Im Hintergrunde erblickt man ihre terrassenförmig sich aufbauenden Häuser aus Stein oder an der Sonne getrockneten Ziegeln.

Kinderverlobungen sind unter den nordamerikanischen Indianerstämmen nicht gerade eine Seltenheit; man pflegt aber nicht immer gleichaltrige Kinder miteinander zu versprechen, sondern mit Vorliebe junge, zehn- bis zwölfjährige Mädchen mit Männern, die bereits voll erwachsen und imstande sind, eine Familie zu ernähren. — Von Werbungen der jungen Männer um ihre Mädchen ist wenig bekannt. Bei den Schwarzfüßen sorgen die Eltern für das Zustandekommen der Heirat, da es unter ihnen nicht Sitte ist, daß unverheiratete Mädchen mit Männern zusammenkommen. Sobald die Eltern des Mädchens sich einen Schwiegersohn ausgesucht haben, halten sie in der Weise um ihn an, daß der Vater ihm den Vorschlag macht, seine Tochter solle dem jungen Manne das Essen in seine Hütte bringen. Geht dieser darauf ein, dann tut dies das Mädchen einen ganzen Monat lang; währenddessen unterweist der Vater sie in den Pflichten, die sie als Ehefrau zu erfüllen hat. Nach Ablauf dieser Zeit findet eine Festlichkeit in der Hütte des jungen Mannes statt, zu der nur die Angehörigen eingeladen werden. Mutter und Tochter bringen das Essen bis an die Tür, die Braut tritt allein in das Zelt und setzt sich, ohne ein Wort zu sprechen, an die rechte Seite ihres Zukünftigen; darauf verteilt sie gestickte Mokassins an alle Gäste. Nach dieser Festlichkeit werden weitere Geschenke ausgetauscht. Die Mutter des Mädchens baut für die jungen Leute eine neue Hütte und schenkt dem Schwiegersohn einen neuen Buckskinanzug und für ihre Tochter wollene Decken, Gewänder aus Büffelhaut und ebenfalls ein Buckskinkleid. Bei den Schwarzfüßen tritt das Mädchen aus dem elterlichen Clan aus; auch die Kinder werden der Familie des Mannes zugezählt. — Es gehört zum guten Ton, daß die Schwiegermutter ihre Tochter nur in Anwesenheit von deren Manne besucht, da es jener sehr peinlich sein würde, wenn dieser etwa unerwartet auftauchte; sollte der Schwiegersohn gegen diese Sitte verstoßen, dann wäre dies nur dadurch gutzumachen, daß er seiner Schwiegermutter ein Pferd verehrt. Wo es dem Mädchen ausnahmsweise gestattet ist, sich den Mann zu wählen, besteht eine hübsche Art der Werbung. Die jungen heiratslustigen Krieger warten in Decken gehüllt vor ihrem Wigwam, bis ein Mädchen kommt. Wer es gern haben möchte, wirft ihm den Zipfel seiner Decke über den Kopf; ist das Mädchen mit dem Bewerber nicht einverstanden, so schreit es auf und wird sofort freigelassen, worauf ein anderer sein Glück versucht. Wer vor den Augen der jungen Schönen Gnade findet, dem erlaubt sie, seine Decke vollständig über sie zu ziehen, worauf beide zusammen abgehen.

Die Hauptzeremonie bei der Hochzeit besteht in der Darbringung von Geschenken. Der junge Ehemann beschenkt stets die Eltern der Braut ([Abb. 197]), und er sowie seine eigenen Eltern erhalten von diesen im allgemeinen Gegengeschenke; doch unterbleibt dies vielfach auch. Dort, wo die Sitte besteht, daß Geschenke nur von seiten des Bräutigams gegeben werden, artet die Ehe leicht zu einem einfachen Kauf- und Verkaufgeschäft aus. Wenn ein junges Paar durchgeht, so bringt dies der Familie zunächst Schande, bis die Sache durch nachträgliche Geschenke wieder gutgemacht ist.

Bedingung ist wohl bei allen nordamerikanischen Indianerstämmen, daß der Mann außerhalb seines Clans, gewöhnlich auch außerhalb seines Stammes heiratet; es kommt sogar vor, daß Ehen außerhalb des eigenen Volkes geschlossen werden. Polygamie ist sehr verbreitet. Durch die vielen Kriege, die die Indianer im Laufe der Zeiten geführt haben, büßten viele junge Männer ihr Leben ein; dies hatte zur Folge, daß die Zahl der Frauen unter ihnen überwiegt. So ist Vielweiberei vielfach zu einer sozialen Notwendigkeit geworden.

Unter den Tschippewä besteht eine Ordensbrüderschaft, deren Mitglieder, sobald sie die vierte Stufe des Ordens erreicht haben, imstande sein sollen, ein Pulver herzustellen, das als kräftiger Liebeszauber wirkt. Es besteht aus roter Farbe, gepulverter Schlangenwurzel, etwas Blut von einem Mädchen, das zum ersten Male menstruiert hat, und einem gepulverten Stück Ginseng, das aber gerade der Stelle der Wurzel entnommen worden sein muß, wo sie sich in zwei Äste teilt (wohl ein Anklang an den Unterleib des Menschen mit den beiden Beinen). Mit der Mischung dieser Bestandteile allein ist aber das Liebespulver noch nicht wirksam; dazu gehört noch ein Opfer aus Tabak an den Kitshi Manido, das von Gesang und dem Schall einer Zauberrassel begleitet sein muß. Will man nun das Mittel erfolgreich anwenden, muß man es der geliebten Person unter ihr Lager bringen.

Phot. H. J. Shepstone.