deren Anzug ganz aus Erzeugnissen einheimischer Weberei besteht.
Die Zeichen der Trauer waren von Stamm zu Stamm verschieden. Weitverbreitet als Ausdruck der Trauer war das Weinen und Wehklagen der Angehörigen, das Zerreißen der Kleider und das Aufstreuen von Asche oder Staub auf den Kopf; auch daß sich die Überlebenden Schnittwunden im Gesicht und an den Gliedmaßen beibrachten, kam vor. Das Eigentum des Verstorbenen pflegte man vielfach zu zerstören. Bei den Dakota mußte die Witwe vier Abende lang ein Feuer auf dem Grabe ihres Mannes unterhalten; sie mußte ferner bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jammern, teilweise auch fasten und sich während der ganzen Trauerzeit, deren Dauer schwankend war, von der Außenwelt abschließen. War die Zeit vorüber, dann stattete die Familie des Toten sie von neuem aus, und es stand ihr dann frei, sich wieder zu verheiraten. Bei den Athapasken, die ihre Toten verbrannten, mußte sich die Witwe auf den Scheiterhaufen setzen und hier so lange verharren, bis sie gründlich angesengt und ihre Kopfhaare verbrannt waren.
Phot. C. B. Waite.
Abb. 198. Öffentlicher Schreiber (evangelista),
wie man ihn in ganz Mexiko auf öffentlichen Plätzen antrifft.
Mittelamerika und die westindischen Inseln.
Mittelamerika. Das Hochland von Mittelamerika, das sich zwischen der Landenge von Tehuantepek und der von Panama ausdehnt, ist ein uraltes Kulturland, das unter der Mißwirtschaft der Spanier einen schweren Rückgang erlebt hat. Es wird von den Nahuavölkern bewohnt, einer Sprachgruppe, die vorzeiten aus ihrer ursprünglichen Heimat in nördlicher gelegenen Gebieten einwanderte, bis Guatemala (Pipilen), San Salvador und Nicaragua vordrang und die bis dahin ansässigen einheimischen Stämme, wie die Totonaken, Olmeca, Tarasken, Otomi, Mixteken, Zapoteken und Maya zurückdrängte. Zu diesen Nahuavölkern gehören unter anderem die Azteken beziehungsweise ihre Vorgänger, die Tolteken, die wahrscheinlich im vierten bis fünften Jahrhundert ankamen. Die Mayavölker, die übrigens wohl auch nicht als die Urbewohner anzusehen sein dürften, entwickelten eine hochstehende Kultur, zu der die Azteken eine ebensolche hinzubrachten; beide Kulturen sind im Lauf der Zeiten mehr und mehr miteinander verschmolzen und haben es zu recht ansehnlicher Blüte gebracht. Beide Völker bildeten wohlgeordnete Staatswesen mit monarchischer, dabei aber doch ziemlich demokratischer Regierungsform. Künste und Wissenschaften, nicht minder Handel und Industrie standen auf hoher Stufe. Leider erlaubt der zur Verfügung stehende Raum nicht, auf die merkwürdigen Kulturzustände der alten Mexikaner näher einzugehen; wir müssen uns auf eine Schilderung der neuzeitlichen Verhältnisse beschränken.
Phot. C. B. Waite.