Abb. 199. Eine Frau aus Tehuantepek in ihrem Festgewand.

Seine auffallendsten Stücke sind der aus leuchtend gefärbten Stoffen hergestellte Rock, das ärmellose Mieder und die große gestärkte Krause.

Das unmenschliche Regiment, das die Spanier seit der Entdeckung des Landes bis in den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hinein in Zentralamerika ausgeübt haben, hat nicht nur dazu beigetragen, die ursprüngliche Lebensweise der Bevölkerung, ihre Sitten und Gebräuche auszurotten, sondern auch die Stämme selbst. In abgelegenen Gegenden, wohin die Strenge der Eroberer nicht reichte, hat sich die altindianische Kultur bis auf unsere Tage noch verhältnismäßig rein erhalten. Der enge Verkehr der Spanier mit den Indianern hat nun ganz allmählich eine Bevölkerung entstehen lassen, in der der Anteil an indianischem Blut recht beträchtlich ist. Sehr großes Gewicht legt man in Mexiko auf den Grad der Blutmischung und hat daher eine ganze Reihe von Bezeichnungen für die verschiedenen Abkömmlinge, je nachdem Indianer- oder Negerblut in ihren Adern rollt beziehungsweise den Mischlingen in einer späteren Generation von neuem spanisches Blut zugeführt worden ist. Ist der Vater ein Spanier, die Mutter eine Indianerin, dann spricht man bei den Abkömmlingen von Mestizen; Kinder aus einer Verbindung von einem Weißen mit einer Mestizin heißen Castizen; kreuzt sich eine Castiza mit einem Spanier, so sieht man deren Kinder wiederum als Spanier an. Nachkommen von einem Spanier und einer Negerin führen die Bezeichnung Mulatten; aus der Verbindung einer solchen Mulattin mit einem Spanier geht ein Morisco hervor; eine Morisca erzeugt mit einem Spanier einen Albino, und erst die Kinder einer solchen Albina mit einem Spanier, die Tornatro heißen, werden wieder als Spanier angesehen. Mischlinge aus der Kreuzung eines Indianers mit einer Negerin heißen Sobo; ein Sobo ferner erzeugt mit einer Negerin einen Chino; der Nachkomme einer China und eines Indianers wird Cambujo genannt, und der Abkömmling schließlich eines Indianers und einer Mestizin Cayote. Das Volk ist im allgemeinen ganz ungebildet und des Lesens und Schreibens unkundig. Öffentliche Schreiber besorgen daher das Schriftwesen ([Abb. 198]). — Wirkliche Weiße, vor allem Spanier, die von Mischung mit Indianerblut gänzlich frei geblieben sind, kommen wenig vor; schätzungsweise höchstens ein Sechstel der mexikanischen Bevölkerung dürfte aus solchen Weißen bestehen, zu denen auch noch Vertreter anderer Völker gehören, die teils als Kaufleute, teils als Abenteurer eingewandert sind. In der Hauptsache haben sich diese Europäer ganz den Sitten der Spanier angeschlossen, die ihrerseits an den Gebräuchen der Heimat festgehalten haben.

Phot. C. B. Waite.

Abb. 200. Szene aus einem Stierkampf am Fuße des Popotcatepetl,

des „rauchenden Berges“. Stierkämpfe sind eine allgemein beliebte Belustigung des mexikanischen Volkes.

Der mexikanische Indianer, der etwa die Hälfte der Bevölkerung des Landes ausmacht, unterscheidet sich von seinen nordamerikanischen Brüdern insofern, als er sich nicht wie diese auf das Kriegshandwerk verlegt hat, sondern ein friedliebender Ackerbauer geworden ist. Seine Kleidung wechselt nach den klimatischen Verhältnissen; in den Küstengebieten herrscht tropische Hitze, in den Gebirgsgegenden mehr gemäßigtes Klima und in höheren Lagen selbst Kälte. Aber stets ist das Hervorstechende an der Kleidung des Mexikaners die Buntheit der Farben und die Vorliebe für Schmuck ([Abb. 199]). Das wichtigste Kleidungstück ist die Zarape, eine vielfarbige Decke, die als Überwurf getragen wird, aber nebenbei noch mancherlei anderen Zwecken dient, und der Rebozo, ein mehrere Meter langer Baumwollstreifen (Schal) von oft recht reicher Musterung in blauer, gelber oder violetter Farbe; reiche Frauen tragen einen solchen aus Seide, der von derartiger Feinheit ist, daß er trotz seiner Breite durch einen Fingerring gezogen werden kann. Er wird als Schutz gegen die Sonne über Kopf und Nacken geschlungen und fällt geschmackvoll in Falten herab; oft aber wird er auch zusammengerafft und dient dann zum Tragen von Früchten und anderen Sachen, ähnlich wie unsere Schürze. Der Rebozo scheint aus dem spanischen Schleier hervorgegangen zu sein. Auf dem bloßen Leibe tragen die Indianerinnen noch ein bis zu den Knöcheln reichendes, oft reichbesticktes Hemd. Ihr Kopfhaar, dem sie viel Pflege widmen, durchflechten sie entweder mit bunten Schnüren und wickeln es rund um den Kopf oder sie lassen es als Zöpfe herunterhängen. Für gewöhnlich geht man im ganzen Lande barfuß, doch legen die Männer vielfach auch Sandalen aus Zwirn an.

Festzug bei einer Posada (Weihnachtssitte in Mexiko).