Dann kam es ihr doch zum Bewusstsein, dass sie schon zuviel getrunken hatte. Sie wollte ihren Vater nicht stören. So stand sie unter einem Vorwande auf und ging allein nach Hause.

Sie zündete die Lampe an und liess sich an ihrem gewohnten Fensterplatz nieder. In denselben Sessel, in dem sie auch gesessen hatte, als Otto Ehlers Abschied nahm. Sie öffnete die enge Taille und atmete tief auf. Dann überfiel sie eine weiche, schlaffe, gedankenlose Müdigkeit. Die Stille that ihr wohl, und bald schlief sie ein.

Mit einem Male fuhr sie jäh in die Höhe.

Kräftige Männerarme hatten sich um ihren Leib geschlungen, und zwei glühende, fiebernde Lippen pressten sich in tollem Kuss immer wieder und wieder auf ihre Augen und auf ihren Mund.

Es war der Verwalter des Gutes, der ihr heimlich nachgegangen war.

Vergebens suchte sie sich von ihm zu befreien. Beide Hände stemmte sie gegen seine Brust. Aber es gelang ihr nicht.

Und immer wieder kam dieser heisse Schauer, diese tollen, brennenden Küsse, die sein heisses Blut dem ihren entgegendrängten, und denen sie nicht lange widerstehen konnte.

Alle Kraft wich von ihr. Schlaff, halb bewusstlos, lag sie in seinen Armen. Nur die Pulse schlugen ihr immer heisser und immer schneller.

Als er sie endlich losliess, hatte sie nur ein Verlangen: nach Luft, nach Kühlung.

Sie riss das Fenster auf, dass die Scheiben klirrten. –