»Ach so, Ihre Frau starb ja auch damals.«
»Ja, sie starb auch.«
»Und das wollen Sie jetzt verkaufen?«
Der Amtsrichter a. D. hörte die Verachtung in diesen Worten und wagte nichts zu erwidern. Mit gesenktem Kopf verliess er das Zimmer und trat hinaus. Zwölf Silbergroschen hatte er in der Hand.
Nach einer unruhigen Nacht wachte er am nächsten Morgen früh auf. Noch unangekleidet sass er mit wirrem Hirn auf dem Bettrand, und allmählich trat ihm wieder ein Bild vor die Seele, das ihn im Schlafe gequält und gepeinigt hatte.
Es war im Traume seine tote Frau zu ihm gekommen. Sie trug ein weisses, faltiges Gewand, und an ihrer Rechten führte sie ihr Kind. Das Kind war nackend und weinte bitterlich.
»Du hast ihm seine Hemdchen verkauft. Nun friert es,« sagte die Mutter.
Ernst Alexander bekam das nicht mehr aus dem Gedächtnis. Den ganzen Tag trug er daran, und der Nebel, der jahrelang vor seinen Augen gelegen hatte, verschwand mehr und mehr. Er sah alles, wie es wirklich war, nackt und nüchtern. Er sah, dass der letzte Teil seines Lebens nichts als Schmutz und Schande gewesen war, und Verzweiflung überfiel ihn. Er sprach mit sich und mit den Toten, die ein Traum ihm heraufbeschworen hatte, und alles in ihm ward voll von Bitterkeit und Selbstverachtung.
»Es ist keine Liebe mehr für mich, nicht im Himmel und nicht auf der Erde,« sagte er laut.
Seine Worte dröhnten in dem leeren Gemach.