Meine Probepredigt war gerade auf einen Sonntag angesetzt worden, an dem der alte Herr eine Eheschliessung in Neograt, das auch zu seinem Sprengel gehörte, vorzunehmen hatte. Sein Ziel lag mitten auf meinem Wege, und so benutzten wir beide denselben Wagen.
Als wir abfahren wollten, trat die Böske zu uns heran. Erst küsste sie ihren Vater, dann reichte sie mir die Hand und wünschte mir Glück. Aber ihre Augen waren traurig dabei und ihre Stimme kaum hörbar.
Ich wurde gewählt.
Als ich gegen Abend nach Hause kam, war der alte Herr noch nicht da. Nur seine Tochter kam mir entgegen. Ich war voller Freude und teilte ihr fröhlich meine Neuigkeit mit. Ein stummer Händedruck war ihre Entgegnung. Da es schon dämmerte, konnte ich den Ausdruck ihres Gesichtes nicht erkennen. Als ich dann aber in das Speisezimmer trat, bemerkte ich, dass sie ganz blass war und verweinte Augen hatte. Und plötzlich fiel es mir schwer auf das Herz, dass meine Wahl ja auch eine Trennung von ihr bedeutete. Das Dorf war weit entfernt. Selten nur hätte ich auf einige Stunden zum Besuch herüberkommen können. War es darum, dass sie so traurig aussah?
Ich konnte nicht daran zweifeln. That mir doch selber bei aller anfänglichen Freude das Herz weh. Und es wurde immer ärger. Die Kehle war mir wie zugeschnürt, und ich fühlte, dass ich keinen Bissen würde hinunterbringen können. Ich entschuldigte mich damit, dass ich schon gegessen hätte, obwohl es nicht der Wahrheit entsprach. Trübselig sass ich am Tisch und brannte mir eine Cigarette an, während wenigstens sie so that, als ob sie einige Brocken zu sich nähme.
Mit jeder Rauchwolke, die ich in die Luft blies, verfinsterte sich auch mein Gedankenkreis. Ich würde also von ihr gehen, ohne ihr meine Liebe gestanden zu haben! Wir würden meilenweit voneinander wohnen und alt und grau werden, ohne uns zu finden! Denn ich kannte meine Schüchternheit gar gut und wusste, dass ich, einmal fort von hier, es nie zu einem förmlichen Antrage bringen würde. Der Gedanke, jetzt, wo wir so schön allein waren, einfach auf sie zuzugehen und ihr Köpfchen in beide Hände zu nehmen und es zu küssen, kam mir auch. Aber mir fehlte jeglicher Mut dazu, und wir hätten uns wohl wirklich für ewig verloren, wenn der gute Gott uns nicht durch ein ganz unscheinbares Ereignis geholfen hätte.
Als ich nämlich eben dabei war, mir eine zweite Cigarette zu drehen, stiess ich meine kleine Holzspitze aus Unachtsamkeit mit dem Ellenbogen vom Tisch. Ich stand auf, um sie zu suchen und war dabei so unglücklich, gerade mit dem Fuss darauf zu treten, so dass sie in zwei Teile zerbarst. Damals war ich ein leidenschaftlicher Cigarettenraucher, konnte es aber ebensowenig wie heute vertragen, dass mir der Tabak direkt in den Mund kam, und war somit über dies Malheur sehr betrübt. Eine andere besass ich nicht, und aus dem benachbarten Dorfe konnte ich mir zu dieser Stunde keine mehr holen lassen.
Trotzdem ich den Kopf voll anderer Gedanken hatte, muss sich der Missmut darüber wohl auf meinem Gesichte ausgeprägt haben, denn meine liebe Böske stand freundlich und gefällig wie immer gleich auf, um in den Kästen nach einem passenden Ersatz zu suchen. Da es jedoch vergeblich war, fragte sie mich schüchtern, ob ich nicht bis morgen mit einem gehöhlten Rohr vorlieb nehmen möchte. Sie hätte selbst als Kind daraus geraucht, von bösen Buben verführt, und wüsste, dass es sehr schön ginge.
Nach dieser Hinzufügung musste ich natürlich erklären, dass ich diese Art von Spitzen allen anderen vorzöge, wenn ich sie auch noch nicht praktisch erprobt hätte. Ich glaubte, dass zufällig etwas Geeignetes im Hause wäre, und war voller Erstaunen, als ich hörte, wie sie das Hausthor öffnete und die zum Garten führende Steintreppe hinabstieg.
Dann aber fuhr es mir siedend heiss durch den Kopf, dass sie bis zum Teiche gehen wollte, um mir eine Spitze zu schneiden. Es war ein sehr dunkler Abend und der Weg zum Rohr schmal und holprig. Auf keinen Fall durfte ich sie dort allein gehen lassen.