FRAUENSTEIN. K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
Stadt-K. Nach Brand 1869 mit Benutzung der Umfassungsmauern erneuert.
Burgruine aus Ma. und Reste eines palastartigen Baues von 1614.
Schloß. 1585-87. Zwei Flügel rechtwinklig zusammentoßend[pg 123], durch stattlichen Treppen-Turm verbunden. Portalbau in strenger toskan. Ordnung.
FRAUREUTH. Reuß ä. L. LA Greiz.
Dorf-K. 1733, groß, nüchtern.
FREIBERG. K. Sachsen. A Hauptstadt.
Marien-K. (»Dom«). Wesentlich nach Brand 1484, voll. 1501. Bei dieser Erneuerung wurden Mauerteile des rom. Baus von E. 12. Jh. für den OBau vernutzt, woher z. T. dessen unregelmäßige Gestaltung; ferner erhielt sich unversehrt die »goldene Pforte« am südl. Qsch. Die zwei unvollendeten WTürme setzen für das Schiff eine größere Breite voraus; aus welcher Zeit stammen die Grundmauern? Der spgot. Neubau ist Hallenkirche. Die 3 Schiffe von gleicher Breite, sehr schlanke kämpferlose 8eckige Pfll. mit konkaven Flächen, Netzgwb. ohne Scheidbgg. Die Strebepfll. zum größten Teil nach innen gezogen; zwischen ihnen Emporen mit ausgekragtem Vorsprung um jeden Pfl. Diese seither in Sachsen beliebt gewordene Emporenanlage hier zum ersten Mal.
Die goldene Pforte. So genannt nach der ehemaligen Vergoldung einzelner Teile, die zum polychromen System gehörte. Urkundliche Anhaltspunkte zur Datierung fehlen; die stilistischen weisen auf das zweite Viertel des 13. Jh. Dank langjähriger Verbindung mit dem (im 19. Jahrh. beseitigten) spgot. Kreuzgang gut erhalten; seit 1902 moderner Schutzbau. — Der Höhepunkt der so reich entfalteten sprom. Portalkunst. Die erreichte Harmonie der Erscheinung ist um so bewunderungswerter, als hier zwei grundverschiedene Traditionslinien, die deutschrom. und die französisch-got., zusammentreffen. Die erste behält im künstlerischen Wollen die Herrschaft. Das Neue, von Frankreich angeregt, ist die umfassende Verbindung von Architektur und figürlicher Plastik. (Ein Wettbewerb um die Priorität besteht nur mit dem Fürstenportal am Bamberger Dom; er kann nicht mit Sicherheit entschieden werden; im architektonischen Detail manches mit dem Bamberger Georgenportal, anderes mit der italisierenden Königslutterer Schule verwandt.) Waren auch der Architekt und der Plastiker verschiedene Personen, so ist doch die Komposition, die nur dem ersteren angehören kann, ganz einheitlich. Um den verlangten Reichtum voll entwickeln zu können, ist das Gewände sehr tief angelegt: 9 Rücksprünge mit 5 Sll. und 4 Pfosten, entsprechend die Zahl der Bogenläufe[3] und der Kämpfer so angelegt, daß es im Gr. eine regelmäßige [pg 124] Zickzacklinie von gleicher Seitenlänge bildet. (So schon an dem übrigens nüchternen Naumburger Hauptportal.) Der entscheidende Unterschied gegenüber dem franz.-got. Schema liegt darin, daß die Statuen (dort in dichter Reihung) mit den Sll. wechseln und daß sie, was für das statuarische Motiv eine freiere Darstellung ergibt, nicht mit Sll. verwachsen sind, sondern an den ausgemachten Kanten der Pfosten stehen. Ganz französisch (in Bamberg unbekannt) ist die alternierende Besetzung der Archivolten mit Statuetten. Auch das gegenständliche Programm ist französisch; es drängt in ein einziges Portal zusammen, was an französischen Kathedralen meist auf drei verteilt wurde. — Im Mittelpunkt der ganzen Komposition steht das Türbogenfeld mit der Anbetung der drei Könige — Mariens höchster Ehrentag im irdischen Stande. Darüber, in der ersten Archivolte, ihre Krönung im Himmel; von ihr, wie von Christus, werden nur Kopf und Schultern sichtbar; in ganzer Figur die Engel. Die übrigen drei Archivolten tragen Bestandteile des Jüngsten Gerichts; die äußerste die Auferstehung des Fleisches, in den kleinen Figuren ein merkwürdiger Reichtum an Bewegungsmotiven und eine sehr achtbare Wiedergabe des Nackten; die mittleren Apostel, Evangelisten, Abraham, der die Seelen in Empfang nimmt, die Taube des H. Geistes. Unter den Gestalten am Gewände erkennt man sicher links Daniel, die Königin von Saba, Salomo, Johannes d. T., rechts Aaron und David; neben ihm die Ecclesia. — Aus derselben Schule des 13. Jh. haben sich noch einige andere Werke, sehr verstümmelt, aber doch mit Spuren hohen Wertes, erhalten: zwei kleine Bogenfelder und eine Hochrelief-Platte, aus den Umrissen Moses und die eherne Schlange erkennbar, sicher zu einer Kanzel gehörig (vgl. Wechselburg), jetzt im Albert-Museum. [Auf dem zerstörten rom. Lettner, der, nach Fragmenten zu urteilen, ähnlich dem Wechselburger aufgebaut war, stand die jetzt im Dresdener Altertums-Verein aufbewahrte Kolossalgruppe der Kreuzigung, aus Eichenholz geschnitzt, die Figuren 2,2 m h.]. — »Tulpenkanzel« um oder nach 1500. Bizarrer Naturalismus der Erfindung, künstlerische Feinheit der Formenanschauung, höchste Virtuosität der aufgelösten Steinmetzarbeit. Die Bühne als großer Blätterkelch mit den Halbfiguren der Kirchenväter, getragen von 4 ganz ins Lichte ausgearbeiteten Stengeln, zwischen deren Verschlingungen Engelskinder sich tummeln. Der Treppenaufgang imitiert roh zusammengeschlagene Baumäste und Bretter. An ihrem Fuße sitzt ein Mann in Handwerkertracht (etwa der Meister, der Predigt lauschend), höher auf [pg 125] dem mittleren Baumstamm ein jüngerer Mann (wohl der Geselle), der mit Rücken und Armen die Treppe zu stützen sich anstrengt; dazu zwei hockende Pinscherhündchen, während auf der anderen Seite zwei Löwen Wache halten. — »Bergmannskanzel« 1638, die Architekturformen noch in ziemlich reiner Renss., das Passionsrelief am Treppengeländer ohne Feinheit, tüchtig charakterisiert die Tragefiguren zweier Bergleute. — Chor und Qsch. dienen als Fürstengruft. In der Vierung das kolossale Freigrab des Kurfürsten Moritz, 1558-63. Eine für diese Stufe der Renss. charakteristische Kollektivarbeit vieler Meister aus vieler Herren Länder. Die Brüder Gabriel und Benedikt Thola aus Brescia zeichneten den Plan; die Oberaufsicht hatte Hans v. Dehn-Rothfelser; der Hoftischler Georg Fleischer schnitzte das Modell. Die eigentliche bildnerische Arbeit von Anton von Zerroen aus Antwerpen. Der Guß von Wolff Hilger. Nicht klar die Rolle des Lübecker Goldschmiedes Wessel. Auf rck. Gr. 2 Geschosse, durch ein verkröpftes von gekuppelten toskan. Säulen getragenes Gebälk getrennt. Am Sockel sitzen 12 allegor. Figuren der Künste und Wissenschaften, auf dem Gebälk antike Krieger mit den Wappen der sächs. Landesteile, auf den Wandflächen Inschrifttafeln; Material schwarzer und farbiger belgischer Marmor. Als Krönung eine sarkophagartig ausgebildete schwarze Platte und auf dieser, in weißem Alabaster, die vor dem Kruzifix kniende Gestalt Moritzens mit dem Kurschwert und anderen Waffenstücken. Die architektonischen Profile und das sonstige Ornament sind vortrefflich, die Figg. ungleich, meist nicht mehr als handwerklich. Früher umstanden das Monument die von Moritz in der Schlacht von Sievershausen erbeuteten 22 Fahnen; das Gitter von 1595 (seit 1884 mit verändertem Platz). — Der eigentliche Chor erhielt seine jetzige Gestalt seit 1585, wesentlich ein Werk des Bildhauers und Architekten Nosseni aus Lugano; Guß der Figg. von Carlo di Cesare aus Florenz. Die Wandflächen unter und zwischen den 7 got. Fenstern erhielten eine vorgeblendete Kulissenarchitektur in 2 Geschossen, unten gekuppelte Sll., oben Pilaster. Sockel und Gebälk stark vorgekröpft, alle Formen höchst nachdrücklich, eigentlich schon bar., Material mehrfarbiger Marmor, oben Sandstein. In den Nischen der unteren Reihe 6 Männer und Frauen des kurfürstlichen Hauses überlebensgroß, vergoldete Bronze, tüchtige, lebensvolle Auffassung, gediegene Materialbehandlung; in der oberen Reihe 8 Propheten; an der Decke gemalt das Nahen des Jüngsten Gerichts, sehr manieriert. Im Chorschluß Altar mit Kruzifix, [pg 126] dahinter Charitas und Justitia; oben gegen das Fenster sich abzeichnend die großartige Fig. des Auferstandenen. Der Stil dieser Arbeiten des Carlo di Cesare steht etwa zwischen Jacopo Sansovino und Giovanni da Bologna, während Nossenis Bildnisfigg. mit Leone Leoni zu vergleichen sind. Auf dem Fußboden des Chors messingne gravierte Grabplatten von 28 Familienmitgliedern, von Heinrich dem Frommen † 1541 bis auf Sibylla Maria † 1643. 1811 wurde das Grabmal der Kurfürstinnen Anna und Wilhelmine aus Schloß Lichtenberg hierher versetzt, bez. Balthasar Permoser 1703. — Im Schiff und in der Turmhalle viele Epit.; anderes in der St. Annakap. [Die ma. Ausstattung großenteils zu Grunde gegangen; wertvolle Reste im Museum und im Dresdener Altert.-Ver.]
Jakobi-K. Angelegt im 1. Drittel 13. Jh., doch gänzlich um- und verbaut; um 1500 in 3sch. Hallenkirche verwandelt. — Altarwerk bez. Bernhard Diterich 1610. — Kanzel 1564, schöne Sandsteinarbeit. — Taufstein bez. 1555 H. W. (Hans Walter), glänzend reiche Komposition, am Fuß vier Kindergestalten. (Dies Motiv war in der Gegend lange beliebt: um 1510 in Annaberg, 1610 in Dörntal, 1650 in Pfaffroda). In der Sakristei großes bar. Elfenbeinkruzifix, Balth. Permoser zugeschrieben.