Skulpturen. Am WPortal Madonna um 1440. Die Bogenfelder der 3 Portale, am nördl. Verkündigung, am südl. Marienkrönung, am westl. Jüngstes Gericht, das Verkündigungsrelief ausgezeichnet in der Füllung der Bildfläche, der leichten Beweglichkeit der Gewänder, der Anmut der Typen. Entstehung um 1430-40 (Pinder: 1415-20). — Riemenschneiders Adam und Eva am NPortal, künstlerisch von größter Bedeutung, wurden in jüngster Zeit entfernt (Histor. Verein) und durch Gewandstatuen ersetzt. Ebenfalls von Riemenschneider, 1500-1506, die Statuen Christi, des Täufers und der zwölf Apostel an den Strebepfll., durch moderne Rest. verdorben (die beiden Johannes neu, Originale im Dom).
Im Innern: südl. Ssch. zwei Reliefs um 1400; Marientod, feierliche zarte Stimmung, feinfühlig flaches Relief, die Komposition altertümlich bis auf das perspektivisch schräg gestellte Bett; von anderer Hand und in kräftigerem Pathos die Kreuzgruppe, der kniende Donator vielleicht Graf Günther v. Schwarzburg † 1410. Am Chorbg. Dorothea und Margaretha von Riemenschneider, ca. 1510. Grabsteine: Martin v. Seinsheim † 1434; Konrad v. Schaumburg † 1499, Werkstatt Riemenschneiders; Ritter Schrimpf von Peter Dell d. J. 1556, Valentin v. Münster von demselben, 1558. Bürgerliche Grabmäler in Epitaphform 1566, 1624, 1648.
S.Michaels-K. An Stelle einer nicht bedeutenden rom. K. Neubau 1766 Valèntin v. Münstèr 1858ff. von J. P. Geigel und Joh. Fischer als Ordens-K. der Jesuiten. Das Äußere nüchtern, das Innere von bedeutender Raumwirkung, aber in der Behandlung unsicheren Wollens zwischen barockem Grundgefühl und modernistischem Klassizismus. (Weitaus unerfreulicher als die die gleiche Übergangsstufe hochbedeutend repräsentierende Klst.-K. zu Wiblingen bei Ulm). Die Deckengemälde, reich an theologischen Finesen, 1770 vom Mainzer Hofmaler Joseph Appiani, fortgesetzt vom Würzburger Chr. Fesel. Stuckaturen von Materno Bossi, Hochaltar von Gärtner 1798.
Neubau-K. s. Universität.
Neumünster-K. Erb. unter B. Heinrich (995-1018), vgl. den Stein am Chor mit der Inschr. »Henricus me fecit«; schon [pg 446] in rom. Zeit wiederholte Bauveränderungen, überliefert für die Zeit B. Adalberos (1045-1085), ferner Ablässe 1223-47. Rest. des Innern und westl. Anbau 1711ff. Der Barock-Umbau nach derselben Methode, wie am Dom, d. h. der rom. Mauer- und Pfeilerkörper wurde beibehalten, aber im Innern ganz mit Barockformen umkleidet, außen die romanischen belassen. — Urspr. flachgedeckte Basilika mit Doppelchor. Die OKrypta erstreckt sich bis unter die Vierung; ihre rom. Wandsll. erhalten; in der westl. Hälfte Würfelkaptt. und an den Basen primitive Eckblätter, in der östl. reiche sprom. Laubkaptt. Die WKrypta gänzlich umgebaut. — Der im NW stehende Turm dürfte mit dem abgebrochenen WChor in Verbindung gestanden haben; schlanker 8Eckbau mit reicher, stark bewegter Gliederung, in der Bewegung der Bogenfriese an die OTeile der Stifts-K. von Gelnhausen erinnernd; der Stil paßt zeitlich zu den Ablässen 1223ff. — Umbau in den 30er Jahren des 18. Jh. Die dabei genannten Würzburger Namen geben nur die Bauführer, der Plan von nicht sicher nachzuweisenden auswärtigen Künstlern; u. a. Gabrieli in Ansbach zu Rate gezogen. Der rom. WChor durch einen Kuppelbau von mächtiger Wirkung ersetzt. Die Fassade auf stark bewegtem Grundriß, gut in den Proportionen und reich, auch mit Figuren in Schmuck gesetzt, mag die beste der Zeit im Frankenlande sein. Sie war besonders geschickt auf einen engen Platz (Kürschnerhof) komponiert. Die neuerliche Freilegung hat ein gutes Teil der Wirkung zerstört. — Das Innere enthält bmkw. ältere Kunstwerke. Im nördl. Qsch. eine der schönsten Madonnenstatuen von Riemenschneider bez. 1493, Sandstein, neu bemalt. — Grabstein des Abtes Joh. Trithemius † 1516 von Riemenschneider. In der WKrypta bmkw. rom. Altarmensa und die in Holz geschnitzten Brustbilder der drei Frankenapostel von Riemenschneider, Reste des Domtabernakels. In der OKrypta merkwürdiger Crucifixus um 1340, Selbdritt bez. 1417. Vier bedeutende Tafelbilder A. 16. Jh., Schulherkunft nicht festgestellt. [Ein Flügel des reichen rom. Kreuzgangs jetzt im Garten des städtischen Museums.]
Wallfahrts-K. auf dem S. Nikolausberge (»Käppele«) 1747 bis 1750 von B. Neumann neben der älteren Gnadenkap. Großer, zentraler Kuppelraum mit 3 elliptischen Apsiden, Eingangshalle und 2 Fassadentürmen. Die innere Dekoration z.T. aus nachneumannscher Zeit. — Die Deckenfresken, sehr farbig, bez. M. Günther 1752. — Eine ausgezeichnete Komposition der große, den Berg hinanführende Treppenweg; [pg 447] die 14 Stationsbilder (Sandsteingruppen) von Joh. Peter und Simon Wagner um 1775.
Peters-K. Umbau einer ma. K. 1717ff. durch Greising und Pezzani (beide wohl nur Ausführer der Idee eines Dritten). Der rom. Turm, der got. Chor und Mauerteile des Langhauses sollten wiederverwendet werden. Im Verhältnis zu diesen Schwierigkeiten die Lösung geschickt: weiträumige Hallen-K. mit Emporen in den Abseiten. Hohe 3geschossige Fassade, im Mittelstück flach polygonal vorspringend; der Statuenschmuck klassizistisch. Von der inneren Ausstattung hervorzuheben die rok. Kanzel von Ant. Bossi, in Brillanz und Grazie unübertroffen.
S. Stephans-K. Von der rom. Basilika die Krypta und der untere Teil der Türme erhalten. Im übrigen 1789 von Geigel (Kleinholz nur Maurermeister) vollständig umgestaltet als weiträumiger, ungeteilter Saal ohne Emporen. Die dekorative Ausstattung durch den Bildhauer Georg Winterstein, eine der besten in dieser Zeit in Deutschland entstandenen, gibt die Klärung der klassizistischen Bewegung, deren erste Regungen an der Michaels-K. zu beobachten sind. Die Wände ausschliesslich in Weiß und Gold; Gestühl und Kanzel in natürlicher Holzfarbe. Stuckierung von Materno Bossi. Deckengemälde von K. Huber von Weißensee.
Schloß Marienberg. Seit 1250 ständiger Sitz der Bischof-Herzöge. Große Erweiterungen 1468-1495. Umfassende Neugestaltung, doch mit Benutzung der alten Teile (starker runder rom. Bergfried) durch B. Julius nach Bränden 1572 und 1600. Es wurde tunlichst für Regelmäßigkeit des Gr. gesorgt, der ein langgestrecktes Viereck darstellt. Einheitliche Fassadenbildung fehlt, geschmücktere Formen nur an einzelnen Zwerchgiebeln, Türmen und Portalen, wovon seither vieles wieder verschwunden. Eine interessante Folge von Stiltypen geben die nach den Erbauern benannten Festungstore: Scherenbergertor 1482, Echtertor 1606, Neutor 1657, Guttenbergtor 1684.
Rathaus. Den ältesten Teil bildet der »Graf-Eckhardturm«. Entstanden aus einem rom. Wehrbau (Sitz der Würzburger Burggrafen), doch schon im sp. Ma. umgebaut. Am östl. Ende der jetzigen Straßenfront ein breites rom. Tor mit spgot. Einbau. Sonst bildete das Erdgeschoß ursp. eine ungegliederte Masse. Der Erker und Doppelfenster mit Vorhangbg. M. 16. Jh. Die Obergeschosse, der WGiebel und der Turm 1615. Die Uhr 1455 von Hans Klein aus Haßfurt. Im Mittelgeschoß ein Saal; eine prächtige Sl. trägt über 2 Rundbgg. 4 spitzbg. Kreuzgwbb. Die Ausmalung in Teppichmustern [pg 448] und mit zahlreichen Wappen der Reichsfürsten, vermutlich 1397 für den Besuch König Wenzels. — Das neue Rathaus 1659. Die Komposition der hohen Giebelfassade, wie der malerisch gruppierten Treppen und Vorsäle steht noch ganz auf dem Boden der deutschen Kunst vor dem großen Kriege, wenn auch mit einem Zusatz schweren Ernstes; Rustikabau fast ohne Ornament.