Universität. 1582-91 unter B. Julius Echter u. a. Man kann keinen bestimmten Baumeister nennen; Kompromiß, bei dem viele mitgesprochen haben. Der erste Entwurf war von Robin in Mainz (vgl. Bd. III u. Bd. IV.). — 4 Flügel von gleicher Höhe umgeben einen großen quadr. Hof; der südl. enthält die Kirche und hat sein eigenes System; der östl. und westl. entsprechen sich genau. Im Erdgeschoß Pfeilerhallen (von Petrini geschlossen und als Bibliothekssaal umgebaut) in reicher diamantierter Rustika mit dorischem Fries. Die 3 Obergeschosse geben eine verputzte Fläche ohne jede andere Gliederung als durch die breiten Fenster; Teilungspfosten; gotisierende Gewände. In der Mitte unbedeutende Zwerchgiebel. Wendeltreppen kommen nicht mehr vor, sondern nur solche mit gerade gebrochenem Lauf. Die Einfahrt hat ein völlig got. Netzgwb. Als äußere Schauseite hat die Front nach der Schulstraße zu gelten; sie besitzt 3 Portale, unorganische Vorsatzstücke in harten antikisierenden Formen. Dem Gesamteindruck fehlt das Heitere und Behagliche, das der deutschen Renss. des 16. Jh. eigen gewesen war; man ahnt schon den strengen und finsteren Geist der Epoche des Religionskrieges. Die Kirche. In ihr scheint noch am meisten vom Robinschen Plan beibehalten zu sein. Einer der wenigen bedeutenden Kirchenbauten der deutschen Renss. In Deutschland galt es, mit der protestantischen Predigt in Wettbewerb zu treten, daher Ähnlichkeit mit dem Typus der protestantischen Schloßkirchen. Die Ausstattung der rundbg. Fenster mit Maßwerk (sehr grob) ist ein Zugeständnis an den noch immer für vorzugsweise sakral geltenden got. Stil. Drei Ränge Galerien begleiten beiderseits ein hohes, langgestrecktes Msch. Pfeiler- und Bogenstellungen mit vorgesetzten antiken Ordnungen; Kreuzgwbb. Der groß gedachten Anlage sind die Einzelformen und die Proportionen nicht ebenbürtig: sie entbehren der feineren Belebung. Auch war die Konstruktion fehlerhaft; 1617 stürzte das Hauptgwb. ein und zerstörte das Juliusdenkmal Robins und die übrige reiche Ausstattung. Wiederherstellung 1696. Der vorspringende WTurm in den unteren Teilen vom Juliusbau erhalten, in den oberen von Petrini; eine bedeutende Kunstleistung; die Lösung wesentlich [pg 449] anders und besser, als an den Türmen, die Petrini vorher an der Hauger K. errichtet hatte; der innerlich widerstrebende antike Formenapparat ist der nordischen Turmidee merkwürdig glücklich dienstbar gemacht.

Juliusspital. Von dem 1580 voll. Stiftungsbau des Bischofs Julius hat sich nichts erhalten. Brand 1699 und danach völliger Umbau durch Petrini; nach neuem Brande 1745 von Neumann instand gesetzt, erweitert 1791 von Ickelsheimer (Straßenfront).

Hofspital. Die K. aus einer got. E. 18. Jh. von A. S. Fischer klassizistisch umgebaut. Schönes Holzrelief mit den 14 Nothelfern A. 16. Jh. (nicht von Riemenschneider). Grabstein des Ritters Christoph von Köln 1564 von P. Dell d. J.

Josephsspital (»Hueberspflege«), gegr. 1794 durch Erweiterung des v. Zobelschen Hofs in der Kapuzinergasse. Großes Relief von B. H. Nickel, zur Erinnerung an die Stiftung; von ansprechender, entfernt an die Tendenzen Schadows erinnernder Natürlichkeit.

Bürgerspital. Gegr. 1319 vom reichen Bürger Johann vom Stern (Johannes De Ariete). Madonna um 1420. Zwei ausgezeichnete Bildnisgrabsteine: Johann v. Stern † 1329, Ekro v. Stern † 1343; man beachte den Stilwechsel im Standmotiv. Außen Sternsches Familienepitaph ca. 1330. — [Der schöne Portalstein im Museum.]

Klerikalseminar (früher Jesuitenkollegium) als Werk Jos. Greisings gesichert, 1716 f. Ernst und tüchtig, der Formengeist in der Mitte zwischen der düsteren Schwerfälligkeit des 17. Jh. und der neuen Vornehmheit Neumanns. Die Portalskulpturen von Jakob v. d. Auwera aus Mecheln (nur die krönende Nischenstatue des h. Ignatius nach Aufhebung des Ordens durch guten Hirten ergänzt).

Rückermaingebäude (früher Amtshaus des Ritterstifts S. Burkard) 1715-22 v. J. Greising; derselbe knüpft, im Gegensatz zu dem Hauptmeister der unmittelbar vorangehenden Zeit, Ant. Petrini, an die Traditionen des deutschen Frühbarok an. Im Innern bmkw. Stuckdecken.

Zuchthaus in der Burkharderstraße. Erb. A. 19. Jh. als Kaserne der fürstbischöfl. Leibgarde von Späth, in kräftiger und origineller Verbindung von Rustika mit dor. Sll.

Deutschordenskomturei, mit dem Wappen des Komturs v. Ow 1694, Richtung Petrinis.

Residenzschloß. Erb. 1719-44 (innere Einrichtung fortgesetzt bis in die 70er Jahre) von den beiden Fürstbischöfen aus dem durch großartigen Bausinn hervorragenden Geschlecht der Schönborn (vgl. Pommersfelden, Werneck, Wiesentheid, [pg 450] Heusenstamm, Bruchsal, Worms, Mainz, Koblenz, Trier). Fürstbischof Johann Philipp wählte zum Baumeister den noch jungen und erst an einem einzigen Kunstbau (Ebrach 1716) bewährten Artillerie- und Geniehauptmann Joh. Balthasar Neumann (1687-1753). Nach der Sitte der Zeit wurde der Plan von auswärtigen Architekten (M. v. Welsch und L. v. Hildenbrand), vermittelt durch Joh. Philipps Verwandte, den Kurfürsten von Mainz und den Reichsvizekanzler in Wien, begutachtet, ohne jedoch ihn irgend nennenswert zu verändern. Erst als Neumann nach Paris geschickt wurde, mußte er sich durch den nüchternen Akademiker Boffrand eine Verschlechtbesserung seines Treppenhauses gefallen lassen; nützlicher könnten die auf die Zimmereinteilung bezüglichen Ratschläge Robert de Cottes gewesen sein. 1729 ging N. nach Wien, wo L. v. Hildebrand diesmal größeren Einfluß gewann; die Gartenfassade bezeugt ihn. — Das Schloß von Würzburg ist eines der größten architektonischen Kunstwerke, die Deutschland besitzt, auch in seinem inneren Wesen deutscher, als die landläufige Meinung annimmt. Der französische Geschmack beeinflußt nur, und auch nur teilweise, die Innendekoration. Den italienischen Bar. kannte N. nur mittelbar durch die Wiener Schule. Der Stil seines Werkes ist wesentlich persönlich auf Grund der international gewordenen allgemeinen Barocküberlieferung. — Der Grundriß erweitert das herkömmliche Triklinienschema zu einem Gruppenbau. In der Mitte ein 53 m tiefer und 60 m breiter Ehrenhof (ehemals durch ein prachtvolles Gitter abgeschlossen), in den Flügeln je zwei Binnenhöfe, die gerade Gartenfront 160 m l., die Seitenfronten 90 m. Der Aufbau ist 2teilig, da das 2. und 4. Geschoß sich als Mezzanine völlig unterordnen. Von Risaliten wird maßvoller Gebrauch gemacht, auch die Dachlinien sind nicht sehr bewegt, im ganzen sollen die Horizontalen herrschen. Die Einzelheiten vorzüglich im Grad des Reliefs und in der Präzision der Zeichnung, barocke Üppigkeit nur in der Krönung des Mittelbaus. Das berühmte Treppenhaus bietet nur die Hälfte von Neumanns ursp. Plan; die symmetrisch dazu gedachte zweite Treppe wurde ihm von Boffrand gestrichen; ausgeführt wäre es weitaus die großartigste Treppenanlage der Welt geworden. — Die Stuckdekoration ist von N. bis ins einzelne vorgezeichnet. Seine erste Manier im rechten Flügel, voll. 1737, das meiste A. 19. Jh. umgeändert. Im Spiegelsaal und Thronsaal beginnt eine gewisse Hinneigung zum französischen Louis XV., stärker wird sie in der Salle des gardes. In der 1743 gew. Kapelle verliert Neumann die frühere Klarheit seiner Kunstsprache, [pg 451] eine eigentümlich »schwüle, überhitzte« Stimmung tritt ein. Die Gwbb. und ihre Widerspiegelung im Gr. geben die Durchschneidung mehrerer Ellipsen. In den jüngeren Räumen allmähliche Wandelung des Stils. Die letzten 1805 ff. durch N. A. de Salins umgestalteten verkünden den Sieg des Neuklassizismus. — 1750-53 führten G. B. Tiepolo und sein Sohn Domenico die weltberühmten Deckengemälde im Treppenhaus und Kaisersaal aus; die übrigen Maler waren durchweg Deutsche. (Das Riesenbild des Treppenhauses, eine Huldigung für den Fürstbischof Karl Philipp v. Greifenklau, zu der der ganze Olymp und alle vier Weltteile aufgeboten werden; im Kaisersaal Geschichte Friedrich Barbarossas, dem das Bistum die Belehnung mit dem Herzogtum Franken verdankt.) Kurz vor Tiepolo hatte Joh. Zick die Decke des Gartensaales gemalt, 1750. Unter den Bildhauern und Stuckateuren bemerkt man neben den Deutschen (der beste war Balthasar Esterbauer) mehrere Italiener, die Niederländer Jakob und Wolfgang v. d. Auwera, nur einen Franzosen, Curé. Die unvergleichlich prachtvollen Schmiedearbeiten sind vom Tiroler J. G. Oegg. Die ältesten Stuckaturen im Ingelheimer Zimmer von Castelli 1724-28. Kaisersaal, Weißer Saal und andere Paradezimmer der Ostfront von Anton Bossi, das Grüne Zimmer von Materno Bossi 1770, ebenso der schon zum Klassizismus übergehende Fürstensaal. — 1765-70 die Abrundung des Residenzplatzes durch die Arkaden und den »Gesandtenbau« von J. Geigel; der korrespondierende »Rosenbachsche Hof« auf der NSeite ist älter (vielleicht von Greising). Die dekorative Plastik im Treppenhaus und später die im Garten von J. P. Wagner.