»Was meinst du, Söhnlein?« schmunzelte er über den Tisch herüber. »Hast Du ein seltsames Thier aufgefunden, ein Curiosum, vielleicht gar irgend ein liebenswürdiges Monstrum, das noch in unserm museo rerum naturalium nicht vorhanden?«

»Noch weit mehr, als das;« erwiederte mit großer Ernsthaftigkeit La Paix. »Wir haben den Dicksten wiedergesehen, und haben seine Wohnung ausfindig gemacht.«

»Wie?« rief Eobanus in neu erwachender Begeisterung. »Meine Mumie, meinen Amenophis, den grausamen, unbeugsamen Pharao Egyptens —«

»Ihn selbst;« versetzte der junge Mann. »Man hat uns auch allerlei erzählt von ihm auf unsere Erkundigungen. Seine Tochter Clelia, die er schnöder Weise Clötje nennt, soll das schönste Mädchen in Rotterdam seyn. Er selbst mag wunderliche Grillen im Kopfe tragen, denn die Leute sagen, er spotte des Christenthums und verehrte ein heidnisches Götzenbild des Schiwa oder Brama, das in seinem Staatszimmer auf einem hohen Piedestal stehe.«

»Brama und Schiwa, Osiris und Serapis!« jauchzte der Professor, einer Verzückung nahe. »Welche Verwandtschaft, welche Analogie! O Gott! Der Mann ist zur Mumie geboren und hat den verbrecherischen Eigensinn, seine Bestimmung verleugnen zu wollen.«

»Sandis!« hob jetzt verdrießlich Le Vaillant an, und schlug bei diesen Worten ein Schnippchen. »Ich gebe nicht so Viel für das Mumientalent des dünnen Dicken. Aber die schöne Tochter entflammt mich, und ihr zu Gefallen habe ich Fensterwanderung gemacht vor seinem Hause.«

»Paix!« rief La Paix sich selbst aus und warf seinem Gefährten einen bedeutungsvollen, verweisenden Blick zu. »Ich leugne nicht, daß die Grazien auch für mich ihre Annehmlichkeit haben, allein wo die Uebermacht der Musen erscheint, da müssen sie billig in’s Dunkel treten. Wie können sich diese eines Zaubers rühmen, wie jene ihn geltend machen? Es ist keine Kunst schön zu erscheinen, wenn man es ist. Aber die Wundermacht der Wissenschaft verleiht auch solchen Körpern unwiderstehliche Reize, die deren gar keine besitzen. Sie kann eine Kreuzspinne zum Gegenstande inniger Liebe, eine Kröte zu dem der tiefsten Verehrung machen und in der That, ist denn nicht jene Sage von der Spinne, die sie nach hundert Jahren zu einem Demant verhärten läßt, nicht fast gleich mit dem egyptischen Glauben von der Lotosblume, hat nicht die tausendjährige Kröte, die im Innern eines Steins gefunden wird —«

Länger konnte sich der Professor nicht halten. Er fiel zur großen Befremdung aller Anwesenden dem Jüngling um den Hals und sagte:

»Herzenssöhnlein! Laß Dich küssen. Du mußt dermaleinst meinen Lehrstuhl besteigen, wenn ich diese hieroglyphische Unterwelt verlassen habe, aber dann mußt Du mir versprechen, mich einzubalsamiren, nach der Art und Kunst, die ich in meinem Testamente berichten werde. Aber fahre fort, Du mein successor in spe! Was hast Du Weiteres zu erzählen von unserer Mumie, die noch in der chaotischen Verwirrung des Lebens der Stunde ihrer Wiedergeburt, der beglückenden Rückkehr in die egyptische Vergangenheit harret?«

Der lebhafte Le Vaillant rückte ungeduldig auf seinem Sitze hin und her. La Paix aber gab ihm aufs Neue einen Wink, der ihn wiederum zur Uebung einiger Selbstbeherrschung veranlaßte. Dann befriedigte jener das Verlangen des Professors, indem er antwortete: